Anleihen, Aktien und Fonds.

Funktionsweisen, Chancen und Risiken der drei gängigsten Börsenprodukte.


Wer erst einmal ein Börsendepot eröffnet hat, hat die Qual der Wahl. Denn es gibt zahlreiche Börsenprodukte, in die man sein Geld investieren kann. Die drei wohl gängigsten sind Aktien, Anleihen und Fonds. Sie alle werden werktags zwischen 8.00 und 23.00 Uhr an verschiedenen deutschen Börsenplätzen gehandelt und ihr Wert wird durch Angebot und Nachfrage auf dem Wertpapiermarkt bestimmt. Was hinter den verschiedenen Börsenprodukten steckt, klären wir mithilfe unseres Experten Alexander, der als Wertpapierberater bei der Volkswagen Bank arbeitet. Was es darüber hinaus noch zum Thema „Debüt an der Börse“ zu sagen gibt, erfahren Sie in drei weiteren Artikeln. Wir informieren Sie, welche Grundlagen Sie schaffen müssen, um an der Börse Geschäfte zu machen, und über alles Wichtige rund um Kosten und Gebühren, die im Rahmen des Wertpapierhandels auf Sie zukommen. Außerdem erklären wir, was es mit den sogenannten ETFs, auch Indexfonds genannt, auf sich hat.

Was sind Anleihen – und wie funktionieren sie?

Anleihen sind für Unternehmungen ein klassisches Mittel, um sich Fremdkapital zu beschaffen. Um am Markt bestehen zu können, müssen sie regelmäßige Investitionen tätigen – und dafür brauchen Unternehmen Geld. Gehen Privatpersonen in der Regel zur Bank, um einen Kredit aufzunehmen, haben Unternehmen darüber hinaus die Möglichkeit, sich Geld bei Investoren zu leihen. Das können sie tun, indem sie Anleihen ausgeben, die dann an der Börse gehandelt werden. Wählen Sie, als Anleger, für sich diese Art der Investition, leihen Sie also einem Unternehmen für einen festgelegten Zeitraum Ihr Kapital und werden damit zum Gläubiger gegenüber dem Herausgeber der Anleihe, der im Fachjargon auch „Emittent“ genannt wird. Laufzeiten werden individuell vergeben, jedoch wurden Anleihen in der Vergangenheit üblicherweise über 5 bis 10 Jahre vergeben. Aktuell – zu Zeiten eines sehr niedrigen Zinssatzes – werden Anleihen jedoch auch für deutlich längere Zeiträume ausgegeben. Neben Unternehmen können auch öffentliche Körperschaften, ein Staat oder andere Institutionen Anleihen ausgeben.

Und was haben Sie als Anleger davon? An Ihre Anleihe ist ein fester Zinssatz gebunden, der jährlich an Sie als Gläubiger ausgezahlt wird. Da sich die Rendite jedoch an dem aktuellen Kurswert der Anleihe orientiert und dieser Kurs – wie fast alle anderen Börsenprodukte – auch Schwankungen unterliegt, ist zwar der Zinssatz immer gleichbleibend, nicht aber die Rendite, auf die es für den Anleger aber ankommt. Sie merken: Zu errechnen, ob eine Anleihe als Anlage attraktiv ist, ist eine äußerst komplizierte Angelegenheit. Wenden Sie sich am besten an Ihren Bankberater, der Ihnen die genaue Berechnung erklärt.

Chancen und Risiken: Wie sieht’s bei Anleihen aus?

Grundsätzlich gelten Anleihen als relativ sichere Geldanlagen. Solange der Herausgeber der Anleihe nicht zahlungsunfähig wird, sind Sie als Anleger auf der sicheren Seite und bekommen nach Ende der Laufzeit Ihr Kapital, das Sie dem Emittenten geliehen haben, komplett zurück. Dennoch sollten Sie sich darüber im Klaren sein, dass es auch sehr risikoreiche Anleihen gibt. Im Falle einer Insolvenz des Emittenten kann es theoretisch sein, dass Sie Ihr investiertes Kapital verlieren. Mehr Informationen dazu bekommen Sie hier. Einen Hinweis darauf, wie „sicher“ eine Anleihe ist, geben Ihnen Beurteilungen von sogenannten Rating-Agenturen. Diese unabhängigen Agenturen bewerten die Kreditwürdigkeit beziehungsweise die Bonität von Unternehmen, ähnlich wie es die Schufa für Privatpersonen tut. Es gilt: Je schlechter eine Ratingagentur die finanzielle Lage eines Unternehmens einschätzt, desto höher ist in der Regel das Risiko einer Anleihe. Gleichzeitig besitzen schlechter bewertete Anleihen jedoch in der Regel auch höhere Zinssätze, sodass sich das höhere Risiko also auch in einer höheren Verzinsung für den Anleger niederschlägt. Für das Bewertungssystem werden Buchstaben verwendet und zwar von A bis C absteigend. Die Bestnote liegt bei dem dreifachen „A“ und dementsprechend schätzt ein dreifaches „C“ die Kreditwürdigkeit sehr schlecht ein. Einige Ratingagenturen vergeben sogar die Note „D“, wenn es zu einem Zahlungsausfall kommt. Mehr Informationen zum Thema Rating und die Bewertung aller an der Börse gelisteten Anleihen finden Sie hier.

Zurzeit (Stand: Dezember 2016) werden Anleihen nur relativ niedrig verzinst. Außerdem bieten die Herausgeber von Anleihen im Moment ihre Produkte oftmals mit sehr langen Laufzeiten an, was diese für potenzielle Anleger nicht gerade attraktiver macht. Die Kursschwankungen von Anleihen sind in der Regel allerdings deutlich geringer als die von Aktien, was wiederum das Risiko senkt.

Anleihen können theoretisch jeder Zeit an der Börse verkauft werden. Dabei muss jedem Anleger jedoch klar sein, dass bei dem Verkauf vor Ende der Laufzeit immer der aktuelle Börsenwert der Anleihe ausbezahlt wird. Im schlechtesten Fall liegt dieser unter dem Wert, zu dem Sie die Anleihe einmal gekauft haben – und Sie müssten einen Verlust in Kauf nehmen. Im schlimmsten Fall könnte es auch zu einem Totalverlust kommen.

Was ist eine Aktie – und wie funktioniert sie?

Genau wie bei Anleihen dienen auch Aktien einem Unternehmen zur Beschaffung von frischem Kapital. Es gibt jedoch einen entscheidenden Unterschied: Mithilfe von Anleihen nehmen Firmen Fremdkapital auf, mit der Ausgabe von Aktien vergeben sie Anteile am eigenen Unternehmen und stocken damit das Eigenkapital auf. Die Investoren werden mit dem Kauf einer Aktie also zu Miteigentümern und erhalten damit in der Regel auch ein gewisses Mitspracherecht.

Geltend machen kann man es bei der jährlich stattfindenden Hauptversammlung der jeweiligen Aktiengesellschaft. Dort treffen die Aktionäre zusammen, um über unternehmerische Belange und Vorgänge informiert zu werden und um Beschlüsse zu fassen. Fragen wie: „Sollen mehr Investitionen getätigt werden?“ oder „Soll eine Dividende ausbezahlt werden?“ werden in diesem Rahmen zum Beispiel entschieden. Außerhalb der Hauptversammlung ist es übrigens die Aufgabe des Aufsichtsrats, stellvertretend für die Aktionäre zu kontrollieren, ob die Unternehmen im Sinne der Aktionäre geführt werden.

Doch wie entsteht nun der Preis, zu dem eine Aktie an der Börse gekauft und verkauft werden kann? Wie jedes Produkt, das an der Börse gehandelt wird, richtet sich grundsätzlich der Preis erst einmal nach „Angebot und Nachfrage“. Wenn viele Anleger eine bestimmte Aktie kaufen wollen, steigt der Kurs in der Regel, sind hingegen die Verkaufswilligen in der Überzahl, wird er vermutlich fallen. Das Verhältnis von Angebot und Nachfrage entsteht aber natürlich nicht willkürlich, sondern es wird durch unterschiedlichste wirtschaftliche und politische Faktoren beeinflusst.

Welche Chancen und Risiken bringt eine Investition in Aktien mit sich?

Ein verhältnismäßig hohes Risiko, dafür aber auch eine größere Chance auf hohe Erträge beziehungsweise Gewinne: Diese beiden Faktoren sollten für Sie bei der Entscheidung, ob eine Aktie das richtige Anlageprodukt für Sie ist, im Vordergrund stehen. Denn: Geld „verdienen“ kann der Börsianer mit einer Aktie nur im Falle einer Gewinnausschüttung der Aktiengesellschaft (Dividende) oder wenn der Kurs steigt und die Aktie demensprechend zu einem höheren Preis verkauft werden kann, als sie ursprünglich gekauft wurde. In diesem Fall spricht man dann von einem Kursgewinn.

Natürlich kann die Aktie auch im Wert fallen. Dieses Zusammenspiel nennt sich „Kursrisiko“. Im Extremfall besteht bei Aktien nicht nur das Kursrisiko, sondern auch das Risiko des Totalausfalles. Geht das Unternehmen, dessen Aktien Sie besitzen, pleite, ist Ihr Geld weg. Kapital sollte also nur in Aktien investiert werden, wenn man es wirklich übrig hat und nicht darauf angewiesen ist. Denn niemand will eine Aktie verkaufen müssen, wenn die Kurse gerade im Keller sind. Um das Risiko auf ein Minimum zu begrenzen, sollten Börsen-Neulinge Einzelaktien nur kaufen, wenn sie von stabilen Unternehmen mit einem bewährten Geschäftsmodell und einer guten Bilanz ausgegeben werden. Eine andere Variante: Streuen Sie Ihr Risiko, indem Sie in Fonds (mehr Infos im nächsten Kapitel) oder sogenannte ETFs, die wir in einem eigenen Artikel erklären, investieren.

Was ist ein Fonds – und wie funktioniert er?

Fonds bieten die Möglichkeit, mit verhältnismäßig wenig Kapital in viele verschiedene Wertpapiere gleichzeitig zu investieren und damit das eigene Risiko breit zu streuen. Wenn man sich das bildlich vorstellen möchte, ist ein Fonds mit einem großen Topf vergleichbar, in dem viele unterschiedliche Anleger Geld deponieren. Diesen Topf verwalten – außer wenn es sich um sogenannte ETFs handelt – Fondsmanager, deren Aufgabe es ist, mit dem ihnen anvertrauten Geld gute Geschäfte zu machen. Bei ETFs wird diese Aufgabe wiederum von Computern übernommen. Mehr dazu erfahren Sie in einem weiteren Artikel.

Fondsmanager kaufen und verkaufen im großen Stil verschiedene Börsenprodukte mit dem Ziel, das Kapital für ihre Kunden möglichst ertragreich anzulegen. Gleichzeitig ist es ihre Aufgabe, das Risiko im Auge zu behalten. Für diese Tätigkeit werden für den Kunden, der in den Fonds investiert, verschiedene Gebühren fällig. Welche das sind, erfahren Sie in diesem Artikel. Welche Wertpapiere in einen Fonds aufgenommen werden, liegt in der Hand des Managers. Dieser hat jedoch keine Narrenfreiheit: Jeder Fonds besitzt die sogenannten „wesentlichen Anleger-Informationen“, in denen die Richtlinien und Ziele der Fondsgesellschaft (das Unternehmen, das den Fonds betreibt) festgeschrieben sind. Dort ist festgehalten, wo das Geld angelegt werden soll – und in welche Vermögenswerte der Fonds in den vergangenen Jahren investiert hat. Grob gegliedert werden können Fonds in a) reine Aktienfonds, b) gemischte Fonds, bestehend aus Aktien und Anleihen, c) Rentenfonds, die nur aus Anleihen bestehen und d) Immobilienfonds, die von Mieteinkünften und vom Anstieg der Immobilien-Preise profitieren.

Welche Chancen und Risiken bringt eine Investition in Fonds mit sich?

In der Regel bieten sich Fonds für Kleinanleger an, die sich einen unkomplizierten Einstieg in die Börsen-Welt wünschen. Das Risiko ist relativ gering, da das Kapital breit gestreut ist. Heißt: Sinkt zum Beispiel eine Aktie aus einem großen Fonds mit vielen Produkten, fällt dies kaum ins Gewicht, sondern der Verlust kann durch andere Wertpapiere, die Bestandteil des Fonds sind, teilweise aufgefangen werden. Ein weiterer möglicher Vorteil: Experten kümmern sich um das Geld der Anleger. Und selbst, wenn die Fondsgesellschaft Konkurs anmeldet, ist das Geld der Anleger sicher. Die Gesellschaften sind nämlich verpflichtet, das Anlagekapital bei unabhängigen Depotbanken zu hinterlegen. Damit ist ausgeschlossen, dass bei einer Insolvenz des Fondsanbieters das Geld der Anleger mit in die Konkursmasse fließt. Wie bei jedem Wertpapiergeschäft besteht jedoch zwangsläufig das Risiko von möglichen Kursschwankungen, die den Wert des Fonds beeinflussen. Für das eingezahlte Kapital erhalten Anleger Investment-Zertifikate. Diese sind die Basis für die Berechnung von möglichen Dividenden und Zinsen, die an die Anleger ausbezahlt werden. Wann, wie viel – und ob überhaupt regelmäßig etwas ausgezahlt wird, ist von Fonds zu Fonds unterschiedlich und oftmals auch erfolgsgebunden. Auch dies ist in den Anleger-Informationen festgehalten. Eine feste Laufzeit, wie zum Beispiel bei Anleihen, gibt es bei einem Fonds nicht. Genau wie Anleihen werden auch Fonds durch Rating-Agenturen bewertet, um eine Transparenz für Investoren zu schaffen. Hier werden aber, ähnlich wie bei Hotelbewertungen, Sterne vergeben. Mehr Informationen dazu finden Sie hier.

Wie kaufe und verkaufe ich meine Börsenprodukte?

Wer noch keine Erfahrung mit Kauf und Verkauf von Börsenprodukten hat, sollte sich immer von seinem Bankberater mit den notwendigen Informationen versorgen lassen. Er wird Sie über Chancen und Risiken aufklären und Empfehlungen aussprechen.

Haben Sie sich eingehend informiert und wissen, in welche Wertpapiere Sie investieren wollen, können Sie die Transaktionen in der Regel selbstständig vornehmen. Welche Voraussetzungen Sie dafür schaffen müssen, erfahren Sie in einem gesonderten Artikel. Mittlerweile können viele Börsianer über das Online-Wertpapier-Depot ihrer Bank Käufe und Verkäufe abwickeln und so unmittelbar auf Kursveränderungen reagieren. Über das System wird der Kaufantrag (die sogenannte „Order“) an die Börsenhändler weitergegeben, die dann den Kauf für Sie tätigen. Entscheidend für den Geschäftsabschluss ist – wie bei jedem anderen Online-Geschäft auch – der Mausklick. In der Regel erhalten Sie schon nach wenigen Sekunden eine Bestätigung, dass Sie einen Kauf oder Verkauf getätigt haben. Die Summe, die Sie für den Kauf von Wertpapieren benötigen, wird von Ihrem Verrechnungskonto abgebucht, das dafür ein entsprechendes Guthaben aufweisen muss. Wie das technisch funktioniert, können Sie in diesem Artikel nachlesen.

Eine Sonderrolle in Sachen Kauf und Verkauf spielen die Anleihen, die über eine festgelegte Laufzeit verfügen. Wie alle Börsenprodukte können Sie theoretisch zu jedem Zeitpunkt verkauft werden, jedoch ist dann die Zusage des Herausgebers des Wertpapieres, das geliehene Kapital in Gänze wieder zurückzuzahlen, nicht mehr gegeben. Bei einem vorzeitigen Verkauf orientiert sich die Summe, die Sie bekommen, am aktuellen Kurswert der Anleihe. Läuft Ihre Anleihe „ganz normal“ aus, wird Ihnen das Geld, dass Sie investiert haben, automatisch auf Ihr Verrechnungskonto überwiesen.


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Depotgebühren, Tradegebühren, Abgeltungssteuer und Co. Wer an der Börse investiert, sollte mögliche Kosten in Form von Gebühren und Steuern einkalkulieren.

Ihr Debüt an der Börse – Christoph Krachten bei „Eigentlich einfach“

Sie möchten gern an der Börse investieren, haben aber nur wenig Kenntnisse von Aktien, Fonds und Co.? Erste Grundlagen, um an der Börse (durch) zu starten, geben Ihnen unsere Expertin Denise und YouTuber Christoph Krachten.

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