Was könnte der Brexit für mich und mein Geld bedeuten?

Sechs Fragen und Antworten für Sparer, Anleger und Urlauber.


Kein Thema beschäftigt die Medien aktuell so sehr wie der so genannte Brexit. Per Volksentscheid votierte die britische Bevölkerung dafür, dass Großbritannien die Europäische Union verlassen soll. Weltweit brachen direkt nach der Entscheidung die Börsenindizes wie der Deutsche Aktienindex (DAX) ein. Wir haben deshalb bei unserem Mitarbeiter Martin, Produktmanager für Wertpapiere, nachgefragt, inwiefern der Brexit jeden Deutschen betreffen könnte.

Mit einem Austritt Großbritanniens aus der EU könnte sich das Kräfteverhältnis zwischen den Mitgliedstaaten massiv verändern.

Welche Auswirkungen könnte der Brexit für deutsche Sparer haben?

Für deutsche Sparer, die ihr Geld bei deutschen Banken anlegen, hat der Brexit keine unmittelbaren Auswirkungen. Denn die hiesigen Banken unterliegen der deutschen Einlagensicherung. Ein Austritt Großbritanniens aus der EU ändert nichts an den Regeln im deutschen Bankgeschäft. Auch mit direkten Auswirkungen auf das Zinsniveau müssen Sparer derzeit nicht rechnen. Die Europäische Zentralbank, die für den Leitzins im Euroraum verantwortlich ist, wird die weitere Entwicklung zunächst beobachten. Dabei darf man nicht vergessen, dass wir bereits einen Leitzins von 0,00% haben.

Und was ist, wenn mein Geld bei einer britischen Bank liegt?

Für alle, die ihr Geld bei britischen Banken angelegt haben, springt im Notfall die britische Einlagensicherung ein – im Höchstfall mit bis zu 75.000 Pfund – eine recht auskömmliche Summe. Dies entspricht, jedoch in Abhängigkeit des Wechselkurses, den EU-weit vorgeschriebenen 100.000 € je Sparer. Sollte das Vereinigte Königreich irgendwann endgültig aus der Union ausgetreten sein, wird statt der europäischen Bankenaufsicht wieder das britische Pendant verantwortliche Behörde für die Bankensicherheit in Großbritannien sein. Auflösen müssen deutsche Sparer ihr Konto bei einer britischen Bank nicht: Genau wie in der Schweiz können Bankkunden Konten auch außerhalb der EU führen. Es sollten jedoch die eventuellen Auswirkungen auf die Einlagensicherung in Großbritannien beobachtet werden. 

Welche Auswirkungen könnte der Brexit für deutsche Anleger im Aktienmarkt haben?

Aktuell ist schwer einzuschätzen, wie sich der Brexit auf den weltweiten Aktien-Handel auswirken wird. Der unmittelbare Absturz des DAX war wahrscheinlich größtenteils ein psychologischer Effekt, da viele Anleger trotz der entsprechenden Umfragewerte nicht mit dem Brexit gerechnet hatten. Aus Schreck über die Entscheidung der Briten zogen viele Börsianer ihr Geld aus dem Handel, woraufhin die Kurse fielen. Langfristig hängt die Entwicklung des Aktienmarkts jedoch von so vielen Faktoren ab, dass aktuell keine klare Aussage zur künftigen Entwicklung getroffen werden kann. 

Gibt es wirtschaftliche Profiteure des Brexit?

Da sich die britische Wirtschaft bereits seit der Thatcher-Regierung Ende der 1970er-Jahre weg von der Industrie hin zur Dienstleistungsgesellschaft bewegt hat, werden nur wenige britische Branchen im internationalen Markt vom Brexit und dem niedrigen Brit. Pfund profitieren, unter anderem die großen Ölkonzerne, die Automobilindustrie oder Hersteller von Motoren oder Turbinen. Andererseits geht der mit Abstand größte Teil der Exporte in die EU. Daher könnten die Exporteure trotz des niedrigen Brit. Pfund unter dem Brexit leiden. Experten sind sich jedoch einig, dass Großbritannien bei einem Austritt eine wirtschaftliche Sonderrolle wie die Schweiz anstreben wird. Ziel wird sein, wirtschaftlich weiterhin eng mit Europa verwoben zu sein, jedoch faktisch nicht zur EU zu gehören. 

Seit dem Referendum schwächelt die britische Währung: Für einen Euro gibt es mehr Pfund als noch vor einigen Wochen.

Könnte der Brexit die Immobilien in Deutschlands Metropolen verteuern?

Das bleibt abzuwarten. Dem Brexit könnte ein „Brexodus“ folgen. Grundsätzlich ist speziell London ein Immobilienstandort mit überragender internationaler Bedeutung. Sofern es den Briten gelingt, einen Sonderstatus gegenüber der EU auszuhandeln, könnte aber eine Abwanderungswelle verhindert werden.

Sollte es hingegen eine Verlagerung von Firmensitzen in Städte wie Frankfurt oder Berlin geben, dürfte dies Auswirkungen auf die dortigen Preise haben.

Macht der Brexit den Wochenend-Trip nach London künftig günstiger oder teurer?

Nach Bekanntwerden des Brexit bekommt man aktuell für einen Euro mehr Pfund als noch vor einigen Tagen (Stand: 27.06.2016). Das macht den Urlaub in Großbritannien zunächst günstiger. Solange die Austrittsverhandlungen mit der EU für Großbritannien andauern, wird sich das auch voraussichtlich nicht sprunghaft ändern. Deshalb ist es auch nicht nötig, sich jetzt überstürzt Euro für die Silvester-Party in London einzutauschen. Wie sich die Lebenshaltungskosten in Großbritannien in Zukunft verändern, kann zum aktuellen Zeitpunkt nur schwer abgeschätzt werden. Für die Briten wird im Umkehrschluss der Urlaub in anderen Euro-Ländern teurer, da sie für ihr Pfund weniger Euro bekommen als vor dem Referendum. 


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