Der Dispo: Das müssen Sie beachten, wenn Sie „ins Minus“ gehen.

Wie funktioniert das Finanzpolster im Alltag und mit welchen Kosten müssen Sie rechnen?


24.02.2017

Das neue Fitnessstudio hat plötzlich abgebucht und dann ist auch noch die Telefonrechnung höher als erwartet. Es kann schnell mal passieren, dass die monatlichen Ausgaben die Einnahmen übersteigen und man als Bankkunde mit dem Girokonto zeitweise ins Minus rutscht. In solchen Fällen greift der sogenannte Dispokredit, den wir in diesem Teil unserer Artikelserie zum Thema Kredite vorstellen. Dazu haben wir mit unserem Kollegen Alexander gesprochen, der als Produktmanager Girokonto bei der Volkswagen Bank arbeitet.

Was ist ein Dispokredit?

Ein Dispositionskredit, oder kurz auch Dispokredit genannt, gibt Bankkunden die Möglichkeit, über mehr Geld zu verfügen, als sich tatsächlich auf ihrem Girokonto befindet. Das kann im Alltag durchaus von Vorteil sein, selbst wenn Sie nicht grundsätzlich über Ihre Verhältnissen leben: Häufig müssen am Monatsende Rechnungen bezahlt werden oder Daueraufträge werden fällig – und das, bevor der Arbeitgeber das Gehalt des neuen Monats überwiesen hat. Die mögliche Folge: Der aktuelle Kontostand reicht nicht für alle anstehenden Ausgaben aus. Wenn Sie mit Ihrer Bank eine Vereinbarung über einen Dispokredit abgeschlossen haben, können Sie in diesen Momenten sichergehen, dass diese Rechnungen dennoch beglichen werden können, auch wenn kein Guthaben mehr auf dem Konto ist. Umgangssprachlich sagt man dazu: „ins Minus gehen“. Für die Summe, mit der man sein Konto überzieht, fallen dann Zinsen an – die Dispozinsen. Mehr dazu gibt’s weiter unten im Artikel.

Grundsätzlich gilt: Da der Zinssatz für den Dispokredit in der Regel höher ausfällt, als für den Rahmen- oder Ratenkredit, sollte man den Dispo nicht dauerhaft beanspruchen. Ziel sollte es sein, den überzogenen Betrag zeitnah wieder auszuzahlen. Tipp: Wer immer mal wieder mit dem Girokonto ins Minus rutscht, sollte prüfen, ob eine der anderen beiden Kreditvarianten nicht vielleicht besser geeignet wäre. Ihre Bank kann hier im persönlichen Gespräch weiterhelfen.

Wie beantragt man den Dispokredit?

Einen Dispokredit beantragt man in der Regel gleich automatisch mit der Eröffnung des Girokontos. Das geht – wie auch bei der Volkswagen Bank – bei vielen Banken online. Falls bei der Eröffnung des Girokontos kein Dispo gewährt wurde, weil zum Beispiel Gehaltsnachweise nicht eingereicht wurden, kann man den Dispokredit auch nachträglich beantragen. Um einen Dispokredit gewährt zu bekommen, muss man mindestens 18 Jahre alt sein und regelmäßige Zahlungseingänge nachweisen können. Das sind beispielweise Gehalt, Rente, Sozialgelder oder Unterhaltzahlungen. Außerdem prüft die Bank die Kreditwürdigkeit des Antragstellers. Dafür holt sie bei einer Kreditauskunft, in der Regel der SCHUFA, Informationen über dessen Zahlungsfähigkeit ein. Wenn der potenzielle Kunde alle Bedingungen erfüllt, richtet ihm die Bank einen Dispokredit ein. In diesem Zusammenhang wird die maximale Betragshöhe definiert, mit der der Kunde sein Girokonto überziehen darf. Wie hoch diese ist, hängt maßgeblich von der Höhe des Einkommens ab.

Wie hoch sind die Zinsen beim Dispo?

Wer sein Konto überzieht, muss Dispozinsen zahlen. Wichtig in diesem Zusammenhang: Die Zinsen fallen nur für den tatsächlich überzogenen Betrag an. Beispiel: Beträgt das vertraglich vereinbarte Dispo-Limit 2000 Euro und man rutscht 500 Euro ins Minus, dann fallen auch nur für 500 Euro Sollzinsen an. Diese Zinsen werden tagesgenau berechnet – man zahlt also für jeden Tag, den man im Minus ist. Wie hoch der Zinssatz ist, ist von Bank zu Bank unterschiedlich. Wichtig: Der Zinssatz ist variabel und hängt von der Entwicklung auf den Geld- und Kapitalmärkten ab. Wie bei vielen anderen Kreditinstituten ist auch bei der Volkswagen Bank der Zinssatz an den Leitzins der Europäischen Zentralbank gekoppelt. Wie hoch dieser aktuell ist, lesen Sie hier.

Wer das Limit seines Dispokredits ausreizt und einen höheren Betrag überzieht als vereinbart, muss darüber hinaus Überziehungszinsen für die mehr in Anspruch genommene Summe zahlen. Wichtig: Nicht jede Bank erlaubt, dass das Konto über die vereinbarte Summe hinaus überzogen werden kann. Ob es bei Ihnen grundsätzlich möglich ist, erfragen Sie am besten bei Ihrer Bank. Ein genereller Anspruch besteht nicht.

Bietet eine Bank Ihren Kunden eine solche Regelung an, läuft das folgendermaßen ab: Werden bei einer Kreditlinie von 2000 Euro 2400 Euro überzogen, fallen auf 2000 Euro Dispozinsen und auf 400 Euro Überziehungszinsen an. Die Höhe der Überziehungszinsen ist ebenfalls von Bank zu Bank unterschiedlich. Die Überziehungssatz kann so hoch wie der Dispozinssatz sein, es ist aber durchaus möglich, dass er höher ausfällt.
Gewährt eine Bank Ihren Kunden keine Überziehungsmöglichkeit des Dispokredits, bleibt dem Kunden die Möglichkeit, einen Antrag auf eine Erhöhung der Dispokreditlinie zu stellen.

Tipp: Sie sollten grundsätzlich mit Ihrer Bank sprechen, wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihr Dispo nicht ausreicht. So können Sie vermeiden, Ihren Dispokredit überhaupt überziehen zu müssen.

Wie funktioniert die Rückzahlung beim Dispokredit?

Eine klassische Tilgungsvereinbarung gibt es beim Dispokredit in der Regel nicht. Man kann sein Konto also grundsätzlich so lange überziehen, wie nötig. Allerdings werden für jeden Tag, den das Konto überzogen ist, Zinsen berechnet. Eine Abrechnung der Zinsen erfolgt in der Regel vierteljährlich. Dann werden die Zinsen vom Girokonto abgebucht. Um die (Dispo)-Schulden loszuwerden, muss der Kunde das damit verbundene Girokonto ausgleichen – das heißt mindestens so viel Geld in der Summe einzahlen, wie er im Minus ist. Der Kontostand muss also wieder im positiven Bereich – oder eben bei „Null“ – sein. Ein wichtiger Tipp: Grundsätzlich sollte der Dispokredit keine Option darstellen, langfristig über Geld zu verfügen, das nicht mit der nächsten Gehaltszahlung wieder ausgeglichen werden kann.


Auch interessant:

Dein Kredit – Christoph Krachten bei „Eigentlich einfach“

Ratenzahlung, Zinsen, SCHUFA und Co. – Sie möchten einen Kredit aufnehmen? Was Sie darüber wissen sollten, erklären unser Experte Claudio und Youtuber Christoph Krachten.

Die SCHUFA-Auskunft: Was das Unternehmen wirklich über uns weiß.

Eine Institution, über die nur wenig bekannt ist – und doch ist sie wichtig in allen finanziellen Belangen: Wir klären auf, was es mit der SCHUFA auf sich hat.

Der Ratenkredit: Wenn Träume finanziert werden wollen.

Wer die eigene Immobilie oder sein Traumauto finanzieren möchte, macht das meist mit einem Ratenkredit. Diese Dinge gibt es dabei zu beachten.

Der Rahmenkredit: Die Geldreserve für die kleinen Wünsche im Alltag.

Reparaturen oder Spontankäufe stemmen, ohne mit dem Girokonto ins Minus zu gehen. Der Rahmenkredit
ist die Alternative zum Dispo. Wir erklären, wie das funktioniert.

Ihr Browser scheint veraltet zu sein!

Für eine problemlose Darstellung dieser Seite und eine Erhöhung der
Sicherheit Ihres Systems verwenden Sie bitte einen aktuellen Browser.