ETF – Wie funktionieren diese Fonds, von denen jetzt alle sprechen?

Wir erklären die Chancen und Risiken.


Weisen drei Buchstaben den Weg hinaus aus dem Tal der Niedrigzinsen? Die Deutschen lesen in den Finanzratgeber-Medien immer häufiger von sogenannten ETFs. Hinter der Abkürzung verbergen sich die englischen Wörter Exchange-traded Funds. Heißt auf gut Deutsch: börsennotierte Fonds. Von der Stiftung Warentest bis zu Spiegel Online empfehlen zahlreiche unabhängige Medien ETFs. Sie seien, so der Tenor, auch für Börseneinsteiger geeignet und können höhere Renditechancen als klassische Anlageprodukte wie das Tagesgeldkonto mit sich bringen.

Doch wo höhere Risiken bestehen, existieren in der Finanzwelt für gewöhnlich auch höhere Chancen. Deshalb möchten wir Ihnen mit diesem Artikel eine erste Orientierung über ETFs bieten. Die Fragen dazu haben wir mithilfe unseres Kollegen Alexander, Wertpapierberater bei der Volkswagen Bank, beantwortet. Darüber hinaus können Sie noch einiges mehr zum Thema „Debüt an der Börse“ bei uns erfahren. Wir informieren Sie, welche Voraussetzungen Sie zum Investieren mitbringen müssen, Sie erfahren alles über die gängigsten Produkte (Aktien, Anleihen und Fonds) und erfahren, mit welchen Kosten und Gebühren Sie bei Börsengeschäften rechnen müssen.

ETF – Wie funktionieren Indexfonds?

Wir dröseln die Abkürzung ETF von hinten auf und beginnen mit dem „F“, das für Funds, auf Deutsch: Fonds, steht. Einen Fonds muss man sich wie ein Paket vorstellen, in dem zahlreiche Wertpapiere (z.B. Aktien) liegen. Der Wert des Fonds-Pakets ist grundsätzlich immer der Durchschnitt seiner einzelnen Bestandteile. Hier ein einfaches Beispiel: Ein Fonds, der zu gleichen Teilen aus neun erfolgreichen und einer erfolglosen Aktie besteht, wird in der Regel mittelfristig erfolgreicher sein, als ein Fonds, der aus neun erfolglosen und einer erfolgreichen Aktie besteht. Das bedeutet: Bei einem Fonds kommt es auf die Mischung und die Gewichtung der einzelnen Bestandteile an. Und diese können auf zwei Arten zustande kommen: Entweder entscheidet ein so genannter Fondsmanager über die Zusammensetzung des Fonds in dem „Paket“. Oder aber es gibt die Möglichkeit, dass der Fonds automatisch gebildet wird. Die Zusammensetzung wird dabei von Computern ausgeführt und nicht von Menschen. Und auf ETFs trifft diese zweite Variante zu. Sie werden automatisch von Computern zusammengesetzt – und damit wären wir bei den Buchstaben „E“ und „T“, die für „Exchange-traded“, auf Deutsch: börsennotiert, stehen. Sie sind das Entscheidende bei einem ETF. Ein ETF setzt sich nämlich automatisch aus jenen an der Börse gehandelten Aktien zusammen, die in einem bestimmten Aktienindex, zum Beispiel dem DAX, zusammengefasst sind. Deshalb nennt man ETFs auch Indexfonds.

In den Medien haben Sie sicherlich schon einmal etwas von einem Aktenindex beziehungsweise verschiedenen Aktienindizes gehört oder gelesen. Ein Aktienindex bildet den durchschnittlichen Wert mehrerer Aktien ab. Dabei gibt es verschiedene Formen von Indizes. Manche beziehen sich auf Unternehmensaktien einer Branche, andere auf die eines Landes oder einer Region. Ein gutes Beispiel ist der deutsche Aktienindex, kurz: DAX. Er vereint die 30 größten und umsatzstärksten deutschen Unternehmen, die an der Börse vertreten sind. Andere bekannte Indizes sind etwa der Dow Jones für den US-Markt oder der Nikkei für Japan. Eine Erklärung zu Aktienindizes können Sie auch in unserem Börsenlexikon nachlesen. Das „Fonds-Paket“ ETF besteht nun immer genau aus jenen Aktien, die auch in einem bestimmten Index versammelt sind. Man sagt deshalb auch: Der ETF bildet einen Index ab. Beispiel: Wer in einen DAX-ETF investiert, erwirbt so Anteile jedes Unternehmens, das im DAX notiert ist.

Indexfonds: Welche Chancen und Risiken kann ein ETF bergen?

Eine alte Börsenweisheit besagt: Lege nie alle Eier in einen Korb. Sprich: Investiere nie dein ganzes Geld in nur eine Aktie. Ein ETF trägt diesem Prinzip Rechnung, denn wie oben beschrieben, bildet ein Indexfonds immer den gemeinsamen Wert mehrerer Aktien ab. Wenn also eine Aktie aus dem DAX an der Börse abstürzt, die anderen aber an Wert gewinnen, kann der Verlust der einen Aktie durch den Gewinn anderer Aktien des DAX-ETFs kompensiert werden. Auf diese Weise kann unter Umständen sogar trotz des Einbruchs der einen Aktie der Indexfonds an Wert gewinnen. Auf der anderen Seite kann ein kollektiver Abwärtstrend an der Börse, so wie es ihn z.B. nach der Finanzkrise 2008 gab, auch einen ETF in den Keller ziehen. 

Beispiel: Ein Indexfonds, den Ratgebermedien immer wieder für Einsteiger empfehlen, ist der MSCI World Index. In diesem ETF bündelt der US-Finanzdienstleister MSCI Aktien von mehr als 1.600 Unternehmen aus 23 Ländern. Die vermeintlichen Vorteile: Selbst wenn in einem Land oder in einer Branche die Wirtschaft schwächelt, fängt die Masse den Wert des weltweit gestreuten ETF in der Regel immer wieder auf. Und tatsächlich: Laut finanzen.net erzielte der MSCI World Index zwischen 1970 und 2014 eine Rendite von 6,7 Prozent. Aber: Wer sich die Entwicklung genau anguckt, stellt fest, dass auch der MSCI World Index immer wieder Schwankungen ausgesetzt ist (siehe Grafik). So brauchte der ETF nach der Finanzkrise 2008 über fünf Jahre, um sein Rekordhoch erst wieder zu erreichen und dann zu übertreffen.

Fazit: Wer Geld in ETFs investiert, muss – genau wie bei allen anderen Börsenprodukten – Geduld mitbringen und zeitweise auch fallende Kurse aushalten können. Daher sollte man grundsätzlich auch in ETFs immer nur Geld investieren, auf das man im Notfall verzichten kann.

Wie kann man in einen ETF investieren?

Allein an der deutschen Börse werden mehr als 1.100 ETFs gehandelt. Das Angebot reicht von weltweiten über regionale bis hin zu branchenspezifischen ETFs. Wer sich unsicher ist, in welchen Indexfonds er konkret investieren möchte, sollte sich vor dem Kauf über Branchen und Märkte in den Medien informieren, das Gespräch mit seinem Bankberater suchen und auf Finanzratgeberseiten recherchieren. Wie bei allen Börsen-Produkten können Sie auch bei Indexfonds entweder einmalig eine Summe anlegen oder bei einigen einen monatlichen Sparplan einrichten, der in der Regel ab einer Summe von 50 Euro beginnt.

Wie Sie an der Börse ein Produkt kaufen, können Sie in diesem Artikel nachlesen. In puncto Gebühren sind die rein automatisch geführten ETFs in der Regel günstiger als aktiv gemanagte Fonds, die von einem Fondsmanager verantwortet werden. Daher nennt man ETFs auch passive Fonds. Im Umkehrschluss können natürlich nur aktive Fonds „den Markt schlagen“ sprich: besser sein als ein Index. Gleichermaßen können aktive Fonds natürlich auch schlechter abschneiden als der Index, nämlich dann, wenn der Fondsmanager die falschen Produkte gewählt hat.


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Sie möchten gern an der Börse investieren, haben aber nur wenig Kenntnisse von Aktien, Fonds und Co.? Erste Grundlagen, um an der Börse (durch) zu starten, geben Ihnen unsere Expertin Denise und YouTuber Christoph Krachten.

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