Ein-Prozent-Regelung vs. Fahrtenbuch

Welche Methode ist für meinen Firmenwagen günstiger?


Ein Dienstwagen erleichtert das Berufsleben ungemein. Was aber wenn man ihn auch privat nutzt?  

15.12.2015

Ein Firmenwagen ist eine wunderbare Sache. Besonders, wenn der Chef auch Privatfahrten mit dem Auto erlaubt. Weil der Arbeitgeber die Kosten für Anschaffung, Versicherung und Unterhalt übernimmt und der Arbeit-nehmer daraus einen privaten Nutzen zieht, betrachtet das Finanzamt die Situation als einen Einkommensvorteil. Auf diesen sogenannten "geldwerten Vorteil" muss der Fahrer deshalb nach § 6 Abs. 1 Nr. 4 EStG Einkommenssteuer zahlen. Für diese Besteuerung hält der Fiskus zwei Methoden zur Auswahl: die Ein-Prozent-Regelung oder das Führen eines Fahrtenbuchs. Während erstere Methode den Listenpreis des Fahrzeugs zum Zeitpunkt der Erstzulassung pauschal als Berechnungsgrundlage nimmt, ermittelt das Fahrtenbuch die tatsächlichen Kosten aller Dienst- und Privatfahrten anhand von Kilometerangaben und aller für das Auto anfallenden Kosten, also den tatsächlichen geldwerten Vorteil. Unser Kollege Marc Möhle, Mitarbeiter der Volkswagen Financial Services, erklärt, wie die Ein-Prozent-Regelung und die Fahrtenbuch-Methode funktionieren und welches der beiden Verfahren für wen günstiger ist.


Unser Experte Marc Möhle erklärt dem YouTuber Christoph Krachten für wen sich ein Firmenwagen lohnt und wer ihn überhaupt bekommt.

Was genau ist die Ein-Prozent-Regelung?

Offiziell läuft die Methode unter "pauschale Bestimmung des privaten Nutzungswertes", im Volksmund kurz unter "Ein-Prozent-Regelung". Wird diese Methode für die Besteuerung des Firmenwagens gewählt, muss der Fahrer monatlich ein Prozent vom Bruttolistenpreis des Autos an den Fiskus abführen. Außerdem werden Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsplatz mit 0,03 Prozent des Bruttolistenpreises pro Kilometer und Monat veranschlagt.

Alternativ kann für den Firmenwagen ein Fahrtenbuch geführt werden. Wie läuft das ab?

Im Fahrtenbuch wird jede Tour genau dokumentiert. Eingetragen werden: Datum und Kilometerstand zu Beginn und Ende jeder Fahrt, das Reiseziel und die Fahrtroute sowie der Grund der Fahrt und der Name des besuchten Geschäftspartners. Bei Privatfahrten genügt die Angabe der Kilometer, bei Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsplatz ein kurzer Vermerk. Belege müssen penibel gesammelt werden. Überhaupt gilt absolute Ordentlichkeit, denn das Finanzamt behält sich vor, unsauber geführte Bücher nicht anzuerkennen. Bei der Fahrtenbuch-Methode werden außerdem alle mit dem Auto zusammenhängenden Kosten wie Benzin, Versicherung und die jährliche Abschreibung des Fahrzeugs berücksichtigt, die eben einen Einkommensvorteil darstellen, den man durch einen privat genutzten Dienstwagen erhält.  

Ein Fahrtenbuch bringt Aufwand mit sich, dafür weiß man genau wo man steht.  

Ist das Führen eines Fahrtenbuches nicht furchtbar aufwendig und lohnt sich das überhaupt?

Das Fahrtenbuch kostet zwar Zeit und Mühe, ist aber auch genau. Experten empfehlen deshalb jedem Fahrer eines Firmenwagens zumindest im ersten Jahr ein Fahrtenbuch zu führen. So lässt sich exakt ermitteln, ob die Ein-Prozent-Regelung oder das Fahrtenbuch die günstigere Lösung für die individuelle Situation ist.

Für wen lohnt sich welches Verfahren am meisten?

Pauschal gilt: Das Fahrtenbuch ist für Menschen mit wenigen privat gefahrenen Kilometern besser. Die Ein-Prozent-Regelung rechnet sich für Fahrer von Firmenwagen mit einem vergleichsweise niedrigen Wert. Welche Methode im Einzelfall aber tatsächlich günstiger ist, hängt von einer Vielzahl individueller Faktoren ab. Online-Rechner helfen dabei herauszufinden, welches Verfahren sich für die eigene Situation am meisten lohnt.

Ein-Prozent-Regelung vs. Fahrtenbuch – Rechenbeispiele

Beide Beispiele setzten einen Wagen mit einem Listenpreis von 20.000 Euro, einen Anschaffungspreis von 15.000 Euro, der auf fünf Jahre abgeschrieben werden kann, und eine Gesamtfahrleistung von 10.000 Kilometern voraus.

In Fall eins werden 1.000 privat gefahrene Kilometer im Jahr als Aus-gangssituation genommen.

Fall zwei zeigt welche Methode bei 5.000 privat gefahrenen Kilometern im Jahr die günstigere ist.

Wie hoch sind die Kosten bei der Ein-Prozent-Regelung an einem konkreten Beispiel?

Ein Fahrer hat einen Firmenwagen mit einem Bruttolistenpreis von 20.000 Euro und einen Weg von zehn Kilometern zur Arbeit. Also muss er nach der Ein-Prozent-Regelung 200 Euro – nämlich ein Prozent vom Listenpreis des Autos – pro Monat versteuern. Seine Fahrten zum Arbeitsplatz werden mit 0,03 Prozent des Bruttolistenpreises pro Kilometer und Monat veranschlagt – das sind in seinem Fall monatlich 60 Euro. Die zu versteuernden 260 Euro pro Monat belaufen sich im Jahr auf 3.120 Euro. Bei einem durchschnittlichen Lohnsteuersatz von bspw. 35 Prozent (entspricht etwa einem zu versteuerndem Jahreseinkommen von 38.000 Euro) muss der Fahrer also 1.092 Euro im Jahr für die Nutzung des Dienstwagens ans Finanzamt zahlen.

Wie viel Steuern zahlt derselbe Fahrer mit einem Fahrtenbuch?

Der Wagen des Fahrers hat zwar einen Bruttolistenpreis von 20.000 Euro, er wurde aber als Jahreswagen für 15.000 Euro gekauft. Bei der Fahrtenbuch-Methode ist nicht der Listenpreis, sondern der tatsächlich gezahlte Kaufbetrag für die Berechnung der Abschreibung relevant. Autos werden über sechs Jahre abgeschrieben, für die verbleibenden fünf Jahre kann der Fahrer also 3.000 Euro pro Jahr abschreiben. Außerdem hat er jährliche Ausgaben von 1.500 Euro für Benzin, 500 Euro für die Versicherung und 1.500 Euro für die Wartung – also eine Gesamtaufwendung von 6.500 Euro für insgesamt 10.000 gefahrene Kilometer pro Jahr. Hat er davon nur 1.000 Kilometer (also zehn Prozent) privat verfahren, beträgt der Eigenanteil 650 Euro. Bei einem Steuersatz von 35 Prozent muss der Fahrer dann also 227 Euro an das Finanzamt zahlen – eine Ersparnis von über 800 Euro gegenüber der Ein-Prozent-Regelung. Aber: Fährt er 5.000 Kilometer (also 50 Prozent) privat, muss er ganze 1.137 Euro Steuern abführen. In diesem Fall wäre die Ein-Prozent-Regelung die günstigere Methode.

Kann man zwischen Fahrtenbuch und Ein-Prozent-Regelung wechseln?

Ein Wechsel zwischen den beiden Methoden kann laut einem Urteil (Az.: VI R 35/12) des Bundesfinanzhofs in München immer nur zum Jahresbeginn vorgenommen werden. Es sei denn, man bekommt in einem laufenden Jahr ein neues Auto. Übrigens: Bei Angestellten legt der Arbeitgeber zu Beginn eines jeden Jahres fest, nach welcher Methode versteuert wird. Wer, trotzdem der Arbeitgeber die Ein-Prozent-Regelung beim Finanzamt angegeben hat, ein Fahrtenbuch führt und so zu viel gezahlte Beträge nachweisen kann, bekommt diese mit der Lohnsteuererklärung zurück.


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