Krankheit, Unfall oder Zahnspange: So versichern Sie Ihr Kind richtig.

Das Angebot an Zusatz-Versicherungen ist groß. Doch welche sind für den Nachwuchs wirklich notwendig und ratsam?


21.10.2016

Sei es der Kinderarzt, bei dem die Spritze nicht wehtut, oder der kompetente Chefarzt, der den Blinddarm ohne Komplikationen entfernt: Wenn es um die Gesundheit des Kindes geht, ist für viele Eltern das Beste gerade gut genug. Verständlich – jedoch sind viele Sonderleistungen im medizinischen Bereich durch die gesetzliche Krankenversicherung nicht abgedeckt. Viele Eltern sind also durchaus bereit, Geld für Zusatzversicherungen auszugeben. Doch in welchen Bereichen können Mama und Papa über die Krankenversicherung hinaus in die Gesundheit ihres Kindes investieren? Die wichtigsten Fragen rund um die gesundheitliche Absicherung des Nachwuchses klären wir in diesem Artikel.

Das Wichtigste zuerst: Ist das Kind automatisch über die Eltern mit krankenversichert?

Sobald ein Kind das Licht der Welt erblickt, besteht für den Nachwuchs Versicherungsschutz. Bei welcher Krankenkasse, entscheidet sich jedoch erst im Nachhinein, denn ob das Kind privat oder gesetzlich versichert ist, hängt mit der Versicherung der Eltern zusammen:

  • Beide Eltern sind gesetzlich krankenversichert?
    Dann wird das Kind mit in die kostenlose Familienversicherung aufgenommen.
  • Sind Mutter und Vater privat versichert?
    Dann muss auch für das Kind diese Versicherungsform gewählt werden. Anders als bei der gesetzlichen Versicherung wird hier jedoch von den Krankenkassen ein Beitrag für die Versicherung des Kindes erhoben.
  • Ein Elternteil ist privat und das andere gesetzlich versichert?
    Dann muss das Kind grundsätzlich erst mal über den privatversicherten Elternteil mitversichert werden. Wenn aber der Hauptverdiener gesetzlich versichert ist, kann das Kind auch in der gesetzlichen Versicherung aufgenommen werden.

Wenn die Eltern für ihr Kind die Wahl zwischen einer privaten oder einer gesetzlichen Krankenkasse haben, sollten sie die Vor- und Nachteile beider Optionen abwägen.

Profitiert das Kind in einigen Fällen durch höhere Leistungen im Rahmen einer privaten Krankenversicherung, kann auch die gesetzliche Krankenkasse an der einen oder anderen Stelle punkten. Zum Beispiel zahlt sie Kinderkrankengeld, falls Eltern wegen einer Krankheit des eigenen Kindes nicht zur Arbeit gehen können. Privatversicherte haben hingegen keinen Anspruch auf Kinderkrankengeld. Mehr Informationen dazu erhalten Sie hier.

Wie melde ich mein Kind bei der Krankenversicherung an?

Auch wenn für das Kind grundsätzlich sofort nach der Geburt ein Versicherungsschutz besteht, müssen Eltern ihren Nachwuchs natürlich zeitnah offiziell bei der Krankenkasse anmelden. Dies kann im ersten Schritt telefonisch erfolgen. Die Krankenkasse sendet anschließend alle erforderlichen Anmeldeunterlagen zu. In der Regel wird zur Anmeldung auch eine „Bescheinigung für die Krankenkasse“ des Standesamtes benötigt, die die Eltern bei der Anmeldung zusammen mit der Geburtsurkunde des neugeborenen Kindes erhalten.  

Wie lange ist ein Kind im Krankheitsfall über die Eltern abgesichert?

Solange ein Kind noch nicht für sich selbst sorgen kann, ist es über die Eltern gesetzlich mitversichert – in der Regel bis zur Vollendung des 18. Lebensjahrs. Es gibt jedoch Ausnahmen, die diesen Zeitraum verlängern können. Wenn sich das Kind in einer Berufs- oder Schulausbildung befindet, kann es bis zum seinem 25. Geburtstag über die Eltern versichert bleiben. Unterbrechen Kinder diese Ausbildung für ein freiwilliges soziales Jahr (FSJ), eines freiwilliges ökologisches Jahr (FÖJ) oder den Bundesfreiwilligendienst (BFD), wird die Dauer dieses freiwilligen Dienstes – bis zu 12 Monate – an die Bezugszeit angehängt.
Wenn ein Kind nicht in der Lage ist zu arbeiten, weil es z.B. eine starke Behinderung hat, gibt es keine Altersbegrenzung. Mehr Informationen zu diesen Ausnahmefällen finden Sie auf der Informationsseite des Bundesministeriums für Gesundheit.

Mit welchen Kranken-Zusatzversicherungen können Eltern ihre Kinder darüber hinaus vorsorgen?

Ein kompliziert gebrochenes Bein, ein ausgeschlagener Zahn oder ein längerer Krankenhaus-Aufenthalt: Wer in Fällen wie diesen mehr als die gängigen Kassenleistungen beziehen – und Nummer sicher gehen – will, sollte sich Gedanken über private Zusatzversicherungen machen. Denn nicht immer deckt die eigene Krankenversicherung alle Eventualitäten ab, wenn es um die Gesundheit des Kindes geht.

Sinnvoll kann zum Beispiel eine Zahnzusatzversicherung sein – jedoch nur dann, wenn die Leistungen auf die Bedürfnisse von Kindern zugeschnitten sind. Wichtig für Kinder sind einerseits Prophylaxe-Behandlungen, die dem Zahnerhalt dienen, aber auch kieferorthopädische Leistungen sollten abgedeckt werden – immerhin tragen heutzutage fast die Hälfte aller Kinder einmal in ihrer Jugend eine Zahnspange. Damit die Kasse auch diese Kosten übernimmt, muss die Versicherung abgeschlossen werden, bevor eine Diagnose gestellt wurde. Versicherungen für Kinder kosten in der Regel zwischen 100 und 180 Euro pro Jahr.

Eine weitere wichtige Möglichkeit der Vorsorge ist eine Krankenzusatzversicherung, die – salopp gesagt – den kleinen Patienten Behandlungen ermöglicht, als wären sie privat versichert. Sie ist also besonders dann eine gute Investition, wenn ein stationärer Aufenthalt des Nachwuchses fällig wird. In der Regel ist dann eine Chefarztbehandlung und eine Unterbringung in einem Ein- oder Zweibettzimmer inbegriffen. Außerdem kann in vielen Fällen Krankenhaustagegeld beantragt werden, wenn es sinnvoll ist, dass ein Elternteil mit im Krankenhaus bleibt. Auch im ambulanten Bereich werden eine Vielzahl von Leistungen von der Krankenkasse gar nicht, oder nur zum Teil übernommen. Dazu gehören Behandlungen durch Heilpraktiker oder die Kostenübernahme einer Brille. Sollten Sie sich also für eine Zusatzversicherung entscheiden, müssen Sie genau überprüfen, welche Aspekte Ihnen wichtig sind – und diese mit den jeweiligen Leistungskatalogen abgleichen. Wichtig: Die Versicherung muss vor der Diagnose einer Krankheit abgeschlossen werden.

Unfall- oder Kinderinvaliditätsversicherung: Wie schütze ich mein Kind am besten?

Die Vorstellung, dass das eigene Kind einen schweren Unfall erleidet oder durch eine Krankheit ein Leben lang gezeichnet ist, ist für Eltern kaum zu ertragen. Einen Schutz vor Schicksalsschlägen bieten Versicherungen natürlich nicht – jedoch können sie helfen, die finanziellen Belastungen, zum Beispiel wenn das Haus behindertengerecht umgebaut werden muss, für die Familien erträglicher zu machen. Grundsätzlich gibt es dabei zwei Modelle: die private Unfallversicherung und die Kinderinvaliditätsversicherung.
 

Die private Unfallversicherung greift, wenn das versicherte Kind durch einen Unfall einen dauerhaften Schaden erleidet. Da laut Stiftung Warentest allerdings nur 0,45 Prozent der Schwerbehinderungen bei Kindern auf Unfälle zurückzuführen sind, empfehlen die Verbraucherschutz-Experten die Kinderinvaliditätsversicherung.
Sie greift in der Regel, wenn das Versorgungsamt – eine staatliche Behörde – dem Kind einen Grad der Behinderung (GdB) von 50 oder mehr bescheinigt – egal ob durch Unfall oder Krankheit. Je nach Versicherungspolice werden größere Summen, z.B. für einen rollstuhlgerechten Umbau im Haus, gezahlt und/oder lebenslange Renten. Da die Versicherungsverträge jedoch zum Teil extrem kompliziert sind, empfehlen Experten, genau zu vergleichen.


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