Die kleine Geschichte vom großen Geld.


12.09.2017

Was wäre, wenn es kein Geld gäbe? Also keine Münzen, Scheine oder EC-Karten? Ganz einfach: Wir müssten es machen wie unsere Vorfahren und Waren oder Dienstleistungen tauschen. Die Frage ist nur: was würde man dem Kassierer für ein Kilo Fleisch geben? Man müsste ihm wohl irgendetwas von Wert anbieten, das er per Zufall auch gerade gebrauchen kann. Doch glücklicherweise haben wir heute Geld und es ist als Tauschmittel allgemein anerkannt. Doch wie ist diese praktische Erfindung entstanden?

Naturalgeld – Kaurischnecken, Felle und Vieh

Die einfachste Form des Geldes ist das Warengeld oder auch Naturalgeld. Dieses war in allen Kulturen und Epochen vorzufinden: Steingeld in Mikronesien, Ring- und Schmuckgeld in Neu-Guinea und im Süd-Pazifik, Muschelgeld in Afrika und China, Kleidergeld (z. B. Pelze) in Nordamerika und Metallgeld in fast allen Regionen. Alle diese Dinge hatten jedoch auch Nachteile für ihre Funktion als Zahlungsmittel: Sie waren entweder zu schwer zu transportieren, schwierig im Wert abzuschätzen, verderblich oder einfach vom Tauschpartner nicht gewollt.

„Bin ich Krösus?!“ – Die Einführung des Münzsystems

Je mehr sich die Handelsbeziehungen ausdehnten, desto mehr Probleme verursachte das Naturalgeld. So begann eine Entwicklung, die zum heutigen, nahezu bargeldlosen Verkehr führte. Am Anfang stand hier die Schaffung von Geldmünzen. Mit der oft verwendeten Form „Bin ich Krösus?!“ will man sagen, dass einem das nötige „Kleingeld“ für etwas fehlt. Krösus war ein sagenumwobener Fürst des kleinasiatischen Königreiches Lydien in der heutigen Türkei, in dem er von 560 bis 547 v. Chr. herrschte. Er erwirtschaftete riesige Gewinne mit Münzprägung und Steuern, die damals noch in den Kinderschuhen steckten.

Im Vergleich zum Naturalgeld hatten Münzen den Vorteil, immer die gleiche Größe, das gleiche Gewicht und dasselbe Aussehen zu haben. Sie konnten somit zur Werteinschätzung einfach abgezählt werden und mussten nicht lange begutachtet, gewogen oder eingeschätzt werden. Edelmetalle etablierten sich bald als gängiges Material. Um 600 v.Chr. wurden die ersten Silbermünzen in Griechenland geprägt. Das zugesicherte Gewicht wurde durch Stempel der Stadtstaaten garantiert. In Rom wurde zirka 500 v. Chr. die erste einheitliche Währung eingeführt. Und je weiter das Römische Reich wuchs, desto größere Mengen Gold, Silber und Bronze kamen als Kriegsbeute in die Stadt. Ab 211 v.Chr. wurden in Rom mit dem Denar dann regelmäßig Silbermünzen geprägt. Lange Zeit bezahlten die Menschen ihre Waren nun mit Münzen. Wirklich bequem war das allerdings auch nicht, denn größere Summen Metall-Geld haben auch ihr Gewicht! Man stelle sich vor, heute würde jemand versuchen, ein Auto mit einer Schubkarre voller Münzgeld zu bezahlen!

Die Chinesen erfinden das Papiergeld

Die Chinesen haben dieses Problem erkannt und so war China das erste Land, das Geld auf Papier gedruckt in Umlauf gebracht hat. Die ältesten im Original überlieferten Scheine stammen aus der Epoche Hung Wu der Ming Dynastie im 14. Jahrhundert, doch bereits um die erste Jahrtausendwende ist der Einsatz von Scheinen überliefert. Als die Münzen knapp wurden, wurde in der westchinesischen Stadt Chengdu im Jahr 1024 Papiergeld eingesetzt, um einen Krieg der Song-Dynastie zu finanzieren. Die Idee setzte sich durch, löste sie doch das Problem der großen Mengen an Münzgeld dem sich Händler gegenüber sahen. Und auch die Produktion und die Rohstoffe der Scheine waren billiger.

Rund 500 Jahre nachdem Papiergeld zur Kriegsfinanzierung eingesetzt wurde, an der Wende zum 15. Jahrhundert, bemerkten die chinesischen Finanzbeamten jedoch, dass die Versuchung, leere Staatskassen durch inflationäres Nachdrucken neuer Geldmengen zu vertuschen zu groß war. Die Folge: Die Chinesen schafften das gedruckte Geld wieder ab. Doch das konnte seine Ausbreitung auf der ganzen Welt nicht stoppen. Nach Europa gelangten die Banknoten mit dem Entdecker und Kaufmann Marco Polo, der 1276 auf einer seinen Reisen nach Fernost auf die Banknoten stieß und ihre Vorteile erkannte. Sukzessive führten Banken in ganz Europa Papiergeld ein. In Deutschland hat jedoch etwas länger gebraucht: Hierzulande wurde Papiergeld erst im 19. Jahrhundert allgemein als Zahlungsmittel anerkannt.

Buchgeld – das „unsichtbare“ Geld

Neben dem Papiergeld bildete sich in den großen Handelsstädten in Norditalien, aber auch in Handelsstädten wie Amsterdam, Hamburg und Nürnberg nahezu gleichzeitig das Buchgeld (auch Giralgeld) heraus, Geld also, welches nur in den Kontobüchern der Banken verzeichnet ist. Kaufleute konnten bei Banken Konten eröffnen um dann Guthaben, welches vorher einbezahlt wurde von Konto zu Konto zu bewegen. Nach abgeschlossenem Geschäft übergab der Käufer dem Verkäufer einen Brief – den „Wechsel“- auf dem die vereinbarte Summe notiert war. Dieses Papier konnte der Verkäufer dann später an einem bestimmten Ort gegen Bargeld wechseln. Heute nennen wir diese Orte „Bank“.

Die Grundlage des bargeldlosen Zahlungsverkehrs war geschaffen. In Deutschland fand die Umsetzung des Giroverkehrs erst mit der Gründung der Deutschen Reichsbank im Jahre 1875 statt. Allerdings blieb auch hier der bargeldlose Zahlungsverkehr vorerst ausschließlich größeren Unternehmen und wohlhabenden Bürgern vorbehalten. 1960 fand dann die Lohntüte ihr Ende. Nun wurden Gehälter direkt überwiesen. Schecks, Überweisungen und Konten ersetzten zunehmend Münzen und Scheine und machten den bargeldlosen Zahlungsverkehr populär.

Kreditkarte, EC-Karte und Online-Banking – Innovationen der Neuzeit

In den letzten 20 Jahren haben sich die Kredit- und EC-Karte als Bargeldersatz flächendeckend verbreitet. Um die Jahrtausendwende kam das elektronische Geld hinzu. Je weniger das Bargeld zum Einsatz kommt, desto mehr alternative Zahlungsmittel entwickeln sich. Neben dem Online-Banking haben sich in den letzten Jahren auch verschiedene Zahlungsmöglichkeiten per Handy immer weiter verbreitet. Kurzum: Niemand muss mehr große Mengen an Barem mit sich herumtragen, und auch sehr hohe Beträge können direkt und unkompliziert beglichen werden. Außerdem funktionieren viele dieser Methoden international, so dass man es sich auch sparen kann, größere Mengen Geld erst in die Landeswährung umzutauschen, wenn man sich im Ausland aufhält.


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