Kfz-Versicherung: Wie kann man als Fahranfänger Geld sparen?

Was junge Autofahrer und ihre Eltern wissen sollten.


09.08.2016

Das erste eigene Auto! Endlich mobil und unabhängig! Bei vielen Fahranfängern ist die Vorfreude auf die neu erlangte Freiheit groß. Für einen kleinen Dämpfer sorgen dagegen mitunter die Kosten für die Versicherung. Denn die sind bei Fahranfängern oft relativ hoch. Die gute Nachricht: Auch junge Autofahrer können bei der Kfz-Haftpflichtversicherung sparen. Über mögliche Tipps und Tricks haben wir mit unserem Kollegen Sven gesprochen, der als Produktmanager Kfz-Versicherung bei der Volkswagen Bank arbeitet.

Warum ist die Versicherung für Fahranfänger in der Regel teurer?

Die Preisspanne der Beiträge für Fahranfänger ist extrem hoch und liegt in der Regel zwischen 1000 und 3000 Euro pro Jahr. Dass Fahranfänger deutlich mehr für die Kfz-Versicherung bezahlen müssen als erfahrene Autofahrer, begründen die Versicherer mit einem ebenso einfachen wie stichhaltigen Argument: Junge Leute bauen häufiger Unfälle und jeder Unfall verursacht Kosten für den Versicherer.

Wie setzen sich die Kosten für die Kfz-Versicherung zusammen?

Grundsätzlich gibt es zwei entscheidende Faktoren bei der Berechnung der Kosten für die Autoversicherung: den Fahrer und das Auto.
Beim Fahrer wird bei der so genannten Schadenfreiheits-klasse (SF) angesetzt. Sie berechnet sich aus der Anzahl der Jahre, die ein Autofahrer unfallfrei unterwegs war. Ein Fahranfänger beginnt naturgemäß bei der niedrigsten Schadenfreiheitsklasse (SF 0). Das Maximum ist die SF 35, die man bekommt, wenn man als Autofahrer 35 Jahre durchgehend keine Schäden verursacht hat. In der Regel zahlt der Versicherte dann nur noch 20 Prozent des eigentlichen Versicherungsbeitrags. Diese Einstufung ist nicht an eine Versicherung gebunden, bei einem Wechsel der Versicherung bleibt die SF bestehen. Ändern kann sich natürlich der Beitrag und eben auch der Schadenfreiheits-rabatt, der der Klasse in der neuen Versicherung zugeordnet ist.  

Welche Rolle spielt das Fahrzeug bei den Kosten für die Kfz-Versicherung?

Entscheidend ist, wie oft ein bestimmter Fahrzeugtyp im vergangenen Jahr in Deutschland in einen Unfall verwickelt war – unabhängig davon, wer am Steuer saß. Auf dieser Basis errechnet der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) einmal pro Jahr das Unfallrisiko eines bestimmten Fahrzeuges. Autos, die häufiger in Unfälle verwickelt waren, treiben die Kosten für die Kfz-Versicherung entsprechend in die Höhe. Die Unfallrisiken konkreter Fahrzeuge können Sie auf der Website des GDV nachschauen.

Zusammengefasst kommt es bei der Berechnung der Kfz-Versicherung also sowohl darauf an, wer am Steuer sitzt, als auch welches Auto gefahren wird. Wer genau wissen will, welche Kosten zu erwarten sind, fragt am besten direkt beim Versicherer nach oder verschafft sich über ein Vergleichsportal einen ersten Überblick.

Nach wie vielen unfallfreien Jahren wird ein Fahranfänger risikoärmer eingestuft?

Meist beginnen die Beiträge fünf Jahre nach Beginn der „Autofahrerkarriere“ deutlich zu sinken. Versicherungen sprechen von der „magischen Grenze“ von 23 Jahren. Fahranfänger, die dieses Alter erreicht und seit dem 18. Lebensjahr einen Führerschein haben, fahren deutlich unfallfreier und werden daher erstmals herabgestuft. Von einer Einheitsprämie ab 23 kann aber dennoch keine Rede sein. Versicherungen sehen sich die Parameter des einzelnen Kunden genau an und berechnen auf ihrer Basis die Versicherungssumme.

Sollten sich Fahranfänger über ihre Eltern versichern lassen, um Kosten zu sparen?

Das kann sich lohnen, muss es aber nicht. Wird der Fahranfänger mit auf das Auto der Eltern angemeldet, kann dies den Beitrag extrem erhöhen. Versicherungen haben unterschiedliche Regelungen, sodass Erhöhungen von 40 bis 150 Prozent möglich sind. Eine weitere Chance besteht darin, das eigene Auto des Fahranfängers über die Versicherung der Eltern anzumelden, sozusagen als Zweitwagen der Eltern. Der Vorteil: Baut das Kind mit diesem Auto einen Unfall, wird nur der Zweitwagen in der Versicherung teurer, nicht das Auto der Eltern.  

Welche Auswirkung könnte ein Unfall des Fahranfängers auf die Schadenfreiheitsklasse der Verwandten haben?

Ein Unfall führt in der Regel zur Hochstufung. Dabei ist es egal, ob der Hauptfahrer oder der Partnerfahrer den Unfall und die Kosten verursacht hat. Für Kunden, die lange unfallfrei gefahren sind, kann das sehr ärgerlich sein. Ein Ausweg daraus ist, den sogenannten Rabattschutz mitzuversichern. Ein Aufpreis von rund 15 Prozent Beitragssumme schützt den Versicherten vor einer Hochstufung bei einem Unfall, auch wenn er ihn selbst verursacht hat.

Hilft der „Führerschein mit 17“ beim Senken der Beitragskosten?

Beim „Begleiteten Fahren“ (BF 17) haben 17-Jährige die Möglichkeit, ein Jahr lang Praxiserfahrungen am Steuer zu sammeln. Die Bedingung: Eine fahrerfahrene Begleitperson (mind. 30 Jahre alt, seit fünf Jahren im Besitz des Führerscheins und max. drei Punkte in Flensburg) sitzt mit im Fahrzeug. Wer dann mit 18 Jahren seinen richtigen Führerschein bekommt und alleine fahren darf, kann bei der Kfz-Versicherung mit Nachlässen rechnen – in der Regel zwischen 15 und 20 Prozent. Begründung: BF-17-Teilnehmer bauen laut Statistiken weniger Unfälle als Jugendliche, die erst mit 18 den Führerschein machen.

Profitieren Fahranfänger bei der Kfz-Versicherung von einem Moped- oder Mofa-Führerschein?

Wer mit 16 Jahren einen Führerschein der Klasse A1 für Leichtkrafträder (50–125 ccm) gemacht hat, verfügt bereits über Erfahrung im Straßenverkehr. Das wirkt sich laut Statistiken des ADAC auch positiv aufs Autofahren aus und wird von den Versicherern entsprechend belohnt. In der Regel beläuft sich der Nachlass bei der Kfz-Versicherung auf 15 bis 20 Prozent.


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