Kann man die Kita von der Steuer absetzen?

Kinderbetreuung: Wir zeigen, wie man Kosten sparen kann.


Niemand kann gleichzeitig an zwei Orten sein – auch Eltern nicht. Wer zwischen Berufsleben und dem „Job“ als Vater oder Mutter pendelt, ist froh, dass es Krippen, Kitas und Co. gibt. Aber auch viele Eltern, bei denen ein Teil „fulltime“ für die Kleinen da sein könnte, halten es für eine gute Sache, dass der Nachwuchs nicht den ganzen Tag nur die Nase von Papa oder Mama sieht, sondern mit Gleichaltrigen unter professioneller Aufsicht herumtoben kann. Das Thema Kinderbetreuung klingt also erst einmal nach einer super Sache – wenn da nicht noch das liebe Geld wäre. Viele Angebote können Eltern vor finanzielle Herausforderungen stellen. Die gute Nachricht ist aber: Man kann an einigen Ecken sparen. Wie, das lesen Sie in diesem Artikel.

Kosten für die Kinderbetreuung – Welche Rolle spielt der Wohnort?

Die Städte Barsinghausen und Nienburg sind ungefähr gleich groß (ca. 30.000 Einwohner) und liegen beide in Niedersachsen. Dennoch zahlen Eltern von unter Dreijährigen in Barsinghausen für die Ganztagesbetreuung in einer kommunalen Krippe im Jahr 2016 durchschnittlich 345 Euro, im ca. 60 Kilometer entfernten Nienburg nur 225 Euro.

Das Beispiel zeigt, wie stark die Kosten allein für die kommunale Kinderbetreuung im föderalen Deutschland nicht nur von Land zu Land, sondern auch von Ort zu Ort variieren können. Grund: Jede Kommune legt für jedes Angebot einen individuellen Berechnungsschlüssel an – auch bei anderen Angeboten wie z.B. der Nachmittagsbetreuung in Schulen.  

Gibt es Unterschiede zwischen alten und neuen Bundesländern?

Laut einer Recherche von „Zeit Online“ aus 2013 sind die Kita-Betreuungskosten in den neuen Ländern grundsätzlich geringer als in den alten. Das Statistische Bundesamt kam 2014 allerdings auch zu dem Ergebnis, dass Berlin (Ost und West) die Stadt mit den zweithöchsten Kita-Gebühren in ganz Deutschland ist. Mittlerweile hat das Land Berlin jedoch beschlossen, Kitas auch für unter Dreijährige ab 2018 kostenlos anzubieten. Man sieht: Das Thema Kinderbetreuungskosten ist in Deutschland ständig in Bewegung, allgemeingültige Aussagen daher kaum möglich.

Woher weiß ich, welche Kosten auf mich zukommen?

Eltern, die es genau wissen wollen, fragen selbst bei der Kommune nach oder googeln – z.B. mit Suchwortkombinationen wie „Kitagebühren + Wohnort“. Ein Tipp: Wer mobil ist, auf der Stadtgrenze wohnt oder auch gerade einen Umzug plant, kann mit dem kommunalen Kostenvergleich unter Umständen Geld sparen – z.B. bei der Kita-Auswahl.

Wie wirkt sich die Art der Kinderbetreuung auf das Geld aus?

Während den einen die Halbtagsbetreuung ausreicht, weil ein Elternteil ab mittags zu Hause ist, müssen Mama und Papa bei den anderen voll arbeiten. Klar, dass Letzteres in der Regel nur mit einer Ganztagsbetreuung im Rücken funktioniert. Und auch bei der pädagogischen Ausrichtung können unterschiedliche Prioritäten gesetzt werden: Während für die einen die städtische Kita der beste Ort fürs Kind ist, suchen die anderen vielleicht nach einer alternativen Form wie Montessori.

So individuell wie die Betreuungsformen können auch die damit verbundenen Kosten sein. Grundsätzlich gilt: Wer weniger Betreuungszeit in Anspruch nimmt, zahlt auch weniger. So kostet im Oktober 2016 der halbtägige Kindergarten für unter Dreijährige in Hannover 122 Euro, der ganztägige 256 Euro. Wer sein Kind sogar nur im Jahr vor der Einschulung in einen kommunalen Kindergarten schickt, zahlt in mehreren Bundesländern (z.B. NRW, Niedersachsen) gar keine Gebühren mehr für die Betreuung am Vormittag. Mit der Google-Kombination „Kindergarten letztes Jahr gebührenfrei + Bundesland“ findet man heraus, ob das auch für die eigene Heimat gilt.

Welche Einrichtungsart ist teurer, welche ist günstiger?

Laut einer Erhebung des Kindertaschen-Herstellers „Ergobag“ sind die kommunalen Kindergärten in der Regel am günstigsten, die kirchlichen Anbieter liegen im Mittelfeld und private und besondere Einrichtungen wie Waldorf- oder Montessori-Kindergärten sind am teuersten. Betriebskindergärten sind zwar auch privat, können aber durchaus günstiger sein als die städtische Alternative. Ein schneller Anruf beim Kindergarten dürfte Gewissheit über die Kosten bringen. Wichtig: Dabei sollte man auch im Hinterkopf haben, ob man Zusatzangebote wie Mittagessen nutzen möchte. Wer sich dafür entscheidet, muss entsprechend mehr Geld einplanen.

Tipp: Für Kinder, deren Geschwister zur selben Zeit in derselben Einrichtung sind, sind kommunale Kitas mitunter günstiger oder kostenlos. Die Kitas oder das Jugendamt haben in der Regel konkrete Infos dazu.

 

Übrigens: Auch die Nachmittagsbetreuungen an Schulen werden in Deutschland nicht einheitlich berechnet. Details sollten die Schulen oder das Schulamt parat haben. Frei verhandelt werden können dagegen private Betreuungsangebote – etwa von Tagesmüttern, Babysittern, Au-pairs oder Nachhilfelehrern. Weitere Informationen und Summen zur Orientierung finden Sie im Netz, z.B. auf der Ratgeberseite Elternwissen.com.

Was bedeuten Einkommen und familiäre Situation für die Kosten der Kinderbetreuung?

Nicht alle Eltern können die Kosten für die Betreuung „mal eben so“ bezahlen. Damit die Kinder trotzdem in die Kita oder in den Schülerhort gehen können, greifen die Kommunen Müttern und Vätern mitunter finanziell unter die Arme – z.B. in Form von Zuschüssen oder gar kostenfreien Betreuungsplätzen. Die Entscheidung darüber ist in der Regel an die sogenannte Einkommensgrenze gekoppelt. Sie richtet sich z.B. nach der Größe der Familie, aber auch nach den Lebenshaltungskosten vor Ort.

Beispiele für die Berechnung in verschiedenen Bundesländern:

Beispiel Kiel: In Schleswig-Holsteins Hauptstadt liegt im Jahr 2016 die Einkommensgrenze für ein Elternpaar mit zwei Kindern bei 2.468 Euro. Liegt das Netto-Familieneinkommen darunter, müssen die Eltern keine Gebühren für die ganztägige Betreuung ihrer zweijährigen Tochter zahlen. Zum Vergleich: In Karlsruhe (Baden-Württemberg) liegt die Einkommensgrenze für dieselbe Familiengröße bei nur 2.324 Euro.

Die zuständigen Jugendämter wissen, welche Betreuungsangebote wie bezuschusst werden und welche Formulare für einen erfolgreichen Antrag konkret benötigt werden. Essenziell ist in jedem Fall der Einkommensnachweis. Außerdem wichtig: Wer finanzielle Unterstützung bei der Ganztagsbetreuung braucht, muss in der Regel nachweisen können, dass das Kind auf diese angewiesen ist – z.B. weil seine Mutter alleinerziehend ist und in Vollzeit arbeitet. Tipp: Manche Firmen bieten ihren Angestellten steuerfreie Zuschüsse für die Kinderbetreuung an. Mehr zu diesen so genannten Arbeitgeberleistungen erfahren Sie auf der Ratgeber-Seite familie.de oder direkt bei der Personalabteilung an Ihrem Arbeitsplatz.  

Kann man die Kosten für die Kinderbetreuung von der Steuer absetzen?

Die Kleinen spielen, die Großen sparen. Schöne Vorstellung und sie könnte klappen: Denn die Kosten für die Kinderbetreuung können bis zu zwei Drittel und einem Höchstbetrag von jährlich 4.000 Euro (Stand: 2016) beim Finanzamt geltend gemacht werden. Voraussetzung: Das Kind hat seinen 14. Geburtstag noch nicht gefeiert und wohnt noch bei Mama, Papa oder beiden. Außerdem müssen die Eltern berechtigt sein, Kindergeld zu beziehen. Weitere Infos dazu lesen Sie in unserem Artikel zum Thema Kindergeld.

Für folgende Arten der Kinderbetreuung können Sie die Kosten absetzen:

  • Kindergärten
  • Kindertagesstätten
  • Kinderhorte
  • Kinderkrippen
  • Tages- und Wochenmütter
  • Ganztagspflegestellen
  • Babysitter
  • Hausaufgabenhilfe

Nicht vergessen: Nachweise über die Betreuungskosten wie Rechnungen und Überweisungsbelege müssen für die Steuererklärung aufbewahrt werden.


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