Oldtimer als Wertanlage. Lohnt die Investition in Klassiker?

Ein Oldtimer-Experte erklärt, ob und für wen sich der Handel mit alten Fahrzeugen lohnt –und für wen nicht.


Gleich zwei Modelle von Volkswagen haben es unter die Top-Ten des Deutschen Oldtimer Indexes geschafft: Der Bulli oder auch Typ 2 T2, Baujahr 1967-1972, und der Käfer oder auch Volkswagen 1300, Baujahr 1967-1973.  

In Zeiten von Niedrigzinsen suchen die Menschen nach alternativen Geldanlagen. Eine Möglichkeit, die immer wieder in der Presse auftaucht: Oldtimer. Der bisher teuerste Oldie der Welt, ein Ferrari von 1962, wechselte im Sommer 2014 für knapp 35 Millionen Euro den Besitzer. Natürlich ist solch eine horrende Rekordsumme die krasse Ausnahme, doch auch im Durchschnitt steigen Oldtimer aktuell im Wert. So verzeichnete der Deutsche Oldtimer Index, kurz "DOX", in 2015 ein Plus von 4,5 Prozent, im Vorjahr gar von acht Prozent. Der DOX wird vom Verband der Automobilindustrie (VDA) ausgewiesen und kennzeichnet - ähnlich wie der DAX an der Börse - die Wertentwicklung repräsentativer Oldtimer-Modelle. Unter den 88 Klassik-Fahrzeugen, die den Index bilden, befinden sich auch Modelle von Volkswagen wie der T2 Bulli aus den Baujahren 1967 bis 1972. Doch bedeutet der allgemeine Kursanstieg, dass jetzt jedermann mit alten Schätzchen Geld machen kann? Wo liegen Chancen, wo liegen Risiken? Das haben wir den Juristen Dr. Götz Knoop vom Bundesverband für Clubs klassischer Fahrzeuge Deuvet gefragt. Er ist selbst eingefleischter Sammler von Fahrzeugklassikern und beobachtet die Wertentwicklung von Oldtimern seit vielen Jahren.


Der Jurist Dr. Götz Knopp beschäftigt sich beruflich mit Oldtimern, sammelt sie aber auch privat.  

Herr Dr. Knoop, können alle, die ein betagtes Auto besitzen, jubeln und sagen: "Hurra, da steht meine Altersvorsorge in der Garage"?

Leider nein. Nur weil Sie ein altes Schätzchen Ihr Eigen nennen, haben Sie noch lange keinen Oldtimer, mit dem Sie Ihr Vermögen vermehren können. Es müssen zahlreiche Faktoren zusammenkommen, damit ein Oldtimer zur Kapitalanlage taugt. Die meisten Oldtimer bringen dieses Potenzial nicht mit sich.

Fangen wir mal vorne an: Wann gilt ein Fahrzeug überhaupt als Oldtimer?

Ein Oldtimer muss laut Legaldefinition des § 2 Nr. 22 der Fahrzeug-Zulassungsverordnung vor mindestens 30 Jahren erstmals in den Verkehr gekommen sein. Entscheidend ist dabei das Datum der Erstzulassung und nicht das Baujahr.

Das Fahrzeug muss weitestgehend dem Originalzustand entsprechen, in einem guten Erhaltungszustand sein und der Pflege des "kraftfahrzeugtechnischen Kulturguts" dienen. Weil diese Kriterien unterschiedliche Interpretationen ermöglichen, wurde ein detaillierter Anforderungskatalog zusammengestellt. Seit 2007 muss für die Einstufung eines Fahrzeugs als Oldtimer ein Gutachten, zum Beispiel beim TÜV oder der Dekra, erstellt werden. Erst dann kann der Halter das sogenannte "H-Kennzeichen" beantragen, das einen Nachlass bei der Kfz-Steuer bringt.

Was kostet ein Oldtimer und wie viel Rendite wirft er zurzeit ab?

Ein Oldtimer hat im Durchschnitt im letzten Jahr etwa 20.000 Euro gekostet. Nimmt man die aktuellen 4,5 Prozent Plus aus dem Deutschen Oldtimer Index als Grundlage, kommt man auf eine Wertsteigerung von 900 Euro. Nur: Diesem Gewinn stehen mehrere Kostenfaktoren entgegen. Die Fahrzeuge kosten im Jahr 191 Euro Steuern, ein Garagenstellplatz ca. 50 Euro im Monat, die reine Haftpflichtversicherung um die 70 Euro pro Jahr und die Kasko-Versicherung noch mehr. Sie sehen: Die scheinbare Rendite wird zum Kostenfaktor.

Ab welcher Investitionssumme lohnt es sich überhaupt, in den Handel mit Oldtimern zwecks Kapitalvermehrung einzusteigen?

Wenn Sie wirklich Geld verdienen wollen, geht das allenfalls im hochpreisigen Segment - meiner Einschätzung nach ab 100.000 Euro Kaufpreis für ein Fahrzeug. Sonst fressen die Fixkosten Ihre Rendite auf.   

Mal angenommen, jemand verfügt über eine solche Investitionssumme: Wie finde ich einen Oldtimer mit guten Chancen auf Rendite?

Seit 1999 steigert sich der Wert von Oldtimern in Deutschland jährlich im Schnitt um 5,7 Prozent. Quelle: classic-analytics

Zunächst einmal: indem man Ahnung hat. Es bringt meiner Meinung nach nichts, als Laie blind einzusteigen und etwa einem Gutachter sein Geld anzuvertrauen. Oldtimer sind ein spezielles Thema mit einer speziellen Szene mit speziellen Präferenzen, die am Ende in den Fahrzeugpreis mit einfließen. Da muss man sich erst hineinfinden - zum Beispiel auf Branchentreffs wie der Oldtimer-Messe Techno-Classica in Essen. Dort erfährt man im Austausch mit anderen Liebhabern die Vorlieben der Szene.
 

Die Statistik zeigt eindeutig: Oldtimer haben die größte Wertentwicklung. Quelle: Statista/Knight Frank

Wie sehen diese Vorlieben konkret aus?

Nehmen wir das Thema Geschichte: Bei Oldtimern ist die Historie schon allein aufgrund des Alters meist nicht bekannt. Hat man die Geschichte eines alten Wagens aber dennoch von der Erstzulassung an dokumentiert, ist das sehr selten und damit von wertsteigernder Bedeutung. Außerdem gibt es Trends in der Szene. So stehen momentan Erstlackierungen und ungeschweißte Karosserien hoch im Kurs. Vorkriegsklassiker sind dagegen zurzeit im freien Fall. Kaum jemand im typischen Oldtimer-Einstiegsalter zwischen 40 und 50 Jahren möchte ein Auto besitzen, das mit 80 über die Straßen tuckert.

Wie wichtig sind Kilometerstand und Unfallfreiheit bei einem Oldtimer?

Solche Kriterien, die man beim normalen Gebrauchtwagen richtigerweise anlegt, treten beim Oldtimer in den Hintergrund. Das betrifft auch die Unfallfreiheit. Laut Statistischem Bundesamt ist ein Wagen alle sieben Jahre in einen Unfall verwickelt. Ein mehrere Jahrzehnte alter Oldtimer hatte also mit hoher Wahrscheinlich schon mal einen Unfall. Auch der Kilometerstand spielt kaum eine Rolle. Interessant ist dagegen der Zustand. Gibt es Rost oder Gebrauchsspuren? Wie ist die Fahrbereitschaft? All das wird in branchenüblichen Zustandsnoten von 1 bis 5 gemessen. Hier ist aus Sicht des Käufers übrigens Achtung geboten: Fahrzeugeigentümer haben einen chronischen Hang dazu, den Zustand des eigenen Fahrzeugs besser zu bewerten, als er tatsächlich ist.

Welche Volkswagen-Modelle steigen zurzeit am stärksten im Wert?

In der Top 10 des "DOX" sind derzeit zwei Modelle von Volkswagen zu finden. Der T2 liegt auf Platz 3 und die Käfer 1300 Limousine von 1967 bis 1973 auf Platz 10. Wer diese Wagen schon lange besitzt, kann sich also glücklich schätzen und eine gute Rendite erzielen. Im Optimalfall erwischt man beim Kauf natürlich immer die Talsohle der Wertentwicklung und beim Verkauf ihren Höhepunkt. Der Index nimmt eine Betrachtung in die Vergangenheit vor. Um Renditen zu machen, muss man aber in die Zukunft schauen.

Der Volkswagen 1300 konnte seinen Wert über die Jahre beinahe um ein vierfaches steigern. (Quelle: classic-analytics)  

Der Volkswagen Typ 2 T2 konnte seinen Wert sogar um ein sechsfaches steigern. (Quelle: classic-analytics)  

Letzte Frage: Soll ich meinen alten Wagen lieber einmotten und „reifen lassen“, als ihn weiter zu verkaufen? Er könnte ja im Wert steigen …

Wenn Sie das Auto aus emotionalen Gründen behalten möchten, sehr gerne. Aber Geld machen Sie damit wahrscheinlich nicht. Der breiten Masse geht es bei ihren Oldtimern um die Spaßrendite auf der Straße.


Machen Sie Ihre Träume wahr

Wer eine besondere Investition plant, braucht einen verlässlichen Partner. Das Team der Kreditberatung der Volkswagen Bank GmbH arbeitet für Sie gern ein individuelles Angebot aus. Sie erreichen unsere Experten telefonisch Montag bis Freitag von 8.00 bis 20.00 Uhr und Samstag von 9.00 bis 15.00 Uhr unter der Telefonnummer 0531 212-859533


Vom T1 bis zum T6 - Zehn spannende Fakten über den Bulli

Warum heißt der Bulli Bulli? Wie hat er sich über die Jahrzehnte verändert? Und wussten Sie, dass man ihn schon als Tourbus und zum Viehtransport verwendete? Erfahren Sie hier Wissenswertes, Komisches und Skurriles aus 65 Jahren Volkswagen Transporter.

Ihr Browser scheint veraltet zu sein!

Für eine problemlose Darstellung dieser Seite und eine Erhöhung der
Sicherheit Ihres Systems verwenden Sie bitte einen aktuellen Browser.