Trump, Brexit und Co.: Wie Politik Einfluss auf die Börse nehmen kann

„Politische Börsen“ haben sprichwörtlich „kurze Beine“ – doch was bedeutet das für die Aktionäre?


                                                                                                                                                                                                                  07.04.2017                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                               

Nur die wenigsten hätten im November 2016 damit gerechnet, dass Donald Trump die US-Präsidentschaftswahlen gewinnen würde. Die Börse reagierte prompt: Weltweit stürzten die Kurse zunächst ab, kurz darauf verzeichnete der Dow Jones ein Allzeithoch. Auch das unerwartete „Ja“ der Briten zum Brexit – dem Austritt aus der EU – sorgte im Juni 2016 für kurzfristige Panik an den weltweiten Finanzmärkten. Beispiele wie diese zeigen: Unvorhergesehene politische Ereignisse können einen unmittelbaren, heftigen Einfluss auf Kursverläufe nehmen, selbst wenn faktisch nicht in die Wirtschaft eingegriffen wird. Warum das so ist, welche Rolle die sogenannte Marktpsychologie spielt und wie problematisch dieser Effekt für Aktionäre wirklich sein kann, erklärt unser Kollege Martin, Investmentberater bei der Volkswagen Bank, in diesem Artikel.

Wieso können politische Ereignisse Aktienkurse überhaupt beeinflussen?

Um diese Frage zu beantworten, müssen wir uns anschauen, wie die Börse funktioniert: Der weltweite Finanzmarkt wird durch Angebot und Nachfrage gesteuert. Dieser Dynamik wiederum liegt eine ganz einfache Logik zugrunde: Ein Anleger kauft ein Wertpapier, weil er der Meinung ist, dass dieses in der Zukunft an Wert gewinnt. Im Gegenzug verkauft er ein Wertpapier, wenn er darauf spekuliert, dass dieses künftig an Wert verliert. Wie genau dieses Zusammenspiel funktioniert, erfahren Sie in einem eigenen Artikel.

Der Kauf und Verkauf von Wertpapieren ist also immer mit bestimmten wirtschaftlichen, aber auch psychologischen Erwartungshaltungen verbunden – und diese werden auch von der aktuellen politischen Lage beeinflusst. Wird zum Beispiel ein Staatsoberhaupt gewählt, das sich für eine Stärkung der Wirtschaft ausspricht, kann diese Tatsache in der Theorie die wirtschaftlichen Erfolgsprognosen von Unternehmen erhöhen – ein Grund für viele Anleger, in Aktien zu investieren. Trumps Wahl-Slogan „America First“ sorgte demnach dafür, dass Anleger Aktien von US-Unternehmen kauften – und das noch bevor Donald Trump als Präsident vereidigt wurde. Mehr zu diesem Thema [LF1] erfahren Sie in einem eigenen Artikel.

Einen erneuten Kursrutsch erlebte der DAX zum Start in die neue Handelswoche auch am 27. März 2017, nachdem Donald Trump eine politische Niederlage einstecken musste. Ihm war es nicht gelungen, genügend Stimmen für die Abschaffung der Gesundheitsreform seines Vorgängers Barack Obama – auch Obamacare genannt – zu bekommen. Auch hier ist wieder eines ganz deutlich: Faktisch hat dieser politische Tatbestand keine unmittelbaren Auswirkungen auf den deutschen Finanzmarkt, an der Börse ist er dennoch deutlich spürbar.

Wer setzt die Kettenreaktion zwischen Politik und Börse in Bewegung?

Grundsätzlich beeinflussen verschiedene Instanzen in der Finanzwelt das Marktgeschehen, darunter folgende:

  1. Die wohl prominentesten Akteure sind Börsen-Experten, zum Beispiel Analysten großer Banken, die ihre Prognose in der Öffentlichkeit beziehungsweise in den Medien deutlich machen. Diese könnten wiederum eine Entscheidungsgrundlagen für die zweite wichtige Gruppe, die Kleinanleger. Wichtig ist hier: Die Experten müssen ihre Empfehlung mit Quellen untermauern, zum Beispiel mit Daten über Umsätze und Gewinne von Unternehmen. Sie haben also keine Narrenfreiheit, wenn es um die Bewertung von Fakten geht.
  2. Kleinanleger verlassen sich auf die Meinung von Experten, kaufen und verkaufen ihre Wertpapiere auf Basis der Empfehlungen. Der Einfluss eines Privatanlegers ist zwar in diesem Fall nicht groß – jedoch lässt sich hier sagen: „Die Masse macht’s.“  
  3. Eine große Macht am Markt besitzen zudem die Großaktionäre wie zum Beispiel Investment- oder Rentenfonds. Sie können wiederum auch eine Kettenreaktion auslösen, wenn deren großes Kapital auf dem Markt verschoben wird.

Experten sprechen in diesem Zusammenhang oft von einer sogenannten „selbsterfüllenden Prophezeiung“. Ein Beispiel: Experte X prophezeit in der Tagesschau, dass nach einem bestimmten Wahlausgang der DAX schwächeln könnte. Allein diese Aussage kann für Aktionäre ein Grund sein, ihre Aktien zu verkaufen, wenn das vom Experten beschriebene Szenario eintritt. Anleger sollten in diesem Fall jedoch wissen: Selbst wenn die Experten ihre Aussagen mit Quellen untermauern, heißt dies nicht, dass man sich auf die Empfehlung verlassen kann.

Zudem zeigt zum Beispiel der Brexit eins ganz deutlich: Nur wenige hatte mit einem Ausstieg der Briten aus der EU gerechnet – und das (kurzzeitige) Chaos an der Börse war nicht vorherzusehen.

Muss ich als Kleinanleger bei solchen Szenarien Angst um mein Geld haben?

Die wichtigste Regel zuerst: Ruhe bewahren. Eine bekannte Börsenweisheit besagt: „Politische Börsen haben kurze Beine“. Das bedeutet im Klartext: Egal wie sich die Politik aufstellt – wichtiger ist, dass es einem Unternehmen wirtschaftlich gut geht, wenn es langfristig um die Wertentwicklung und Renditen dessen Aktien geht. Selbst die heftigen Ausschläge auf den Finanzmärkten, sowohl nach dem Brexit, der Trump-Wahl aber auch nach Terroranschlägen, haben bis heute (Stand: April 2017) keine extremen Auswirkungen auf die Finanzmärkte gehabt. Wie die Börsen sich langfristig weiterentwickeln, bleibt abzuwarten.

Fest steht: Starke Kursschwankungen an der Börse gehören im Fall eines politischen Einschnittes zwar oft zur Tagesordnung – jedoch erholen sich die Märkte in der Regel relativ schnell wieder. Dennoch lässt sich eine Tendenz über die letzten Jahrzehnte beobachten: Bei sicherheitspolitisch relevanten Ereignissen, zum Beispiel Terroranschlägen oder Kriegen, ziehen viele Aktionäre ihr Geld aus den Finanzmärkten ab. Dies lässt sich psychologisch erklären: Bei (gefühlter) Gefahr möchten Anleger ihr Geld sprichwörtlich lieber unter dem Kopfkissen haben. So schießt erfahrungsgemäß der Goldpreis in schwierigen sicherheitspolitischen Lagen zeitweilig in die Höhe. Experten bezeichnen Gold deshalb häufig auch als „Krisenwährung“.

Wie kann ich mich als Aktionär vor großen Verlusten schützen?

Grundsätzlich lässt sich sagen: Wer sein Geld breit streut – und nicht alles auf eine Karte setzt –, kann sein Risiko schmälern. Wer sein Geld in Wertpapiere investiert, muss aber immer mit einem Risiko rechnen.
Wer sein Geld nicht nur in Aktien anlegt, sondern auch Investitionen in anderen Bereichen, zum Beispiel in Immobilien – allgemein in Sachwerte – in Betracht zieht, geht ein geringeres Risiko ein. Aktien sollten immer nur als Geldanlage in Betracht gezogen werden, wenn der Aktionär auch längere Zeit auf das Geld verzichten kann. Außerdem sollten für den Fall, dass das Geld an der Börse komplett verloren geht, noch andere Rücklagen zur Verfügung stehen.

Wenn diese Voraussetzungen gegeben sind, kann der Aktionär selbst bei möglichen Kursverlusten Ruhe bewahren und seine Strategie unbeirrt weiterverfolgen, selbst bei politischen Einschnitten oder Vorfällen. Denn auch hier gibt es eine Börsenweisheit, die bedacht werden sollte: „Hin und her macht Tasche leer“ – die Transaktionskosten bei häufigen Käufen und Verkäufen müssen immer in die Rechnung miteinbezogen werden.


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