Rahmenkredit: Wie funktioniert die Alternative zum Dispo?

Reparaturen oder Spontankäufe stemmen, ohne mit dem Girokonto ins Minus zu gehen. Der Rahmenkredit macht’s möglich.


02.03.2017

Egal, ob die bisher so verlässliche Waschmaschine nach 20 Jahren auf einmal den Geist aufgibt oder schnell ein neuer Fernseher her muss, weil der alte pünktlich zum DFB-Pokalfinale keinen Mucks mehr von sich gibt: Manchmal können größere Investitionen nicht warten, bis man das Geld dafür zusammengespart hat. Wer von jetzt auf gleich eine größere Summe in die Hand nehmen muss und diese nicht zufällig griffbereit auf dem Girokonto liegen hat, steht in der Regel vor zwei Möglichkeiten: Entweder man überzieht sein Girokonto mithilfe seines Dispokredits, oder man greift auf einen Puffer zurück, den man sich vorher vorsorglich geschaffen hat: den Rahmenkredit.

Was zeichnet einen Rahmenkredit aus?

Bei einem Kredit leiht die Bank ihrem Kunden Geld. So weit, so klar.

Doch was ist nun ein Rahmenkredit? Der Rahmen markiert eine Geldsumme, die der Kunde immer wieder aufs Neue leihen und zurückzahlen kann, ohne dafür jedes Mal mit der Bank sprechen zu müssen. Man könnte auch von einem finanziellen Puffer sprechen.

Beispiel: Die Bank gewährt ihrem Kunden einen Rahmenkredit über 5.000 Euro. Dafür stellt das Kreditinstitut dem Kunden die Summe auf einem separaten Konto zum Abruf bereit. Benötigt er nun das Geld oder einen Teil davon, kann er es auf sein sogenanntes Referenzkonto buchen – zum Beispiel per Online-Banking. Für gewöhnlich ist das Referenzkonto das Girokonto.

Übrigens: Nur weil man als Bankkunde über einen Rahmenkredit verfügt, muss man ihn nicht auch abrufen. Da der Großteil der Banken einen Rahmenkredit ohne sonstige Gebühren anbietet, fallen hierbei außer den Zinsen bei einer Inanspruchnahme einer Kreditsumme keine weiteren Kosten an. Dazu später aber mehr. Nutzt man das Geld überhaupt nicht, kann der Rahmenkredit eine Art finanzielles Polster für den Notfall darstellen.  

Für welche Zwecke eignet sich der Rahmenkredit?

Der Kunde kann mit dem Geld grundsätzlich machen, was er möchte. Ein Rahmenkredit ist nicht zweckgebunden wie beispielsweise ein Autokredit. In der Regel bewegen sich die über Rahmenkredite verfügbaren Geldsummen zwischen 2.500 Euro und 50.000 Euro, je nach Kreditinstitut. Grundsätzlich ist der Rahmenkredit eine kluge Alternative zum Dispo, weil die Zinsen bei der Rückzahlung in der Regel deutlich niedriger sind. Entsprechend kann man den Rahmenkredit gut für Ad-hoc-Investitionen nutzen, für die man bis dato mit dem Girokonto vielleicht schon mal „ins Minus“ gegangen ist. Tipp: Wer größere und weniger spontane Investitionen plant, sollte sich auch über einen Ratenkredit informieren, denn hier sind die Konditionen in der Regel noch günstiger als beim Rahmenkredit. Weitere Infos zum Ratenkredit finden Sie in diesem Artikel.

Wie beantrage ich den Rahmenkredit und was will die Bank von mir wissen?

Natürlich kann der Rahmenkredit in der jeweiligen Bankfiliale abgeschlossen werden, in der Regel kann man den Rahmenkredit auch online beantragen. Das Kreditinstitut benötigt unter anderem Angaben wie Name, Adresse, Bankverbindung, Kontaktdaten und natürlich die gewünschten Kredithöhe. Zudem fordern Banken Gehaltsnachweise an und führen eine Bonitätsprüfung mithilfe der SCHUFA durch. Was dahintersteckt, lesen Sie in diesem Artikel. Die Bank muss außerdem sichergehen, dass niemand unter einem falschen Namen einen Rahmenkredit beantragt oder Unterschriften und Unterlagen fälscht. Deshalb muss der Kunde die sogenannte Legitimationsprüfung der Deutschen Post durchführen. Diese prüft anhand von Ausweisdokumenten die Identität des Kunden und die Echtheit der Unterlagen. Die gute Nachricht: Heutzutage muss dafür niemand mehr in eine Postfiliale gehen. Man kann die Legitimationsprüfung auch „live“ am Rechner oder Smartphone machen – z.B. indem man in einem Videochat mit dem Post-Mitarbeiter seine Ausweisdokumente vor die Handy-Kamera oder Webcam halten. Wie die Beantragung bei der Volkswagenbank funktioniert und was Sie darüber hinaus noch wissen müssen, erfahren Sie hier.

Wie läuft die Rückzahlung des Rahmenkredits ab?

Hat man nun seinen Rahmenkredit in Anspruch genommen, geht es im nächsten Schritt logischerweise an die Rückzahlung. In der Regel wird das Geld an die Bank in Raten zurückgezahlt – entweder mit einem Dauerauftrag oder per Lastschriftverfahren.

Wie hoch die Rückzahlungsrate ist, kann im Grunde jeder selbst entscheiden, allerdings verlangen manche Banken einen monatlichen Mindestbetrag. Oft beträgt dieser ein Prozent des in Anspruch genommenen Geldes. Heißt: Wer für den neuen Fernseher 2.000 Euro aus seinem Rahmenkredit verwendet, muss mindestens 20 Euro im Monat zurückzahlen. Übrigens: Wer wieder flüssig ist (z.B. weil das Gehalt überwiesen wurde), kann den Rahmenkredit in der Regel ohne Gebühren auf einen Schlag zurückzahlen. Für den umgekehrten Fall gilt: Wer in Geldsorgen geraten ist, sollte nicht zögern und mit der Bank über eine mögliche Stundung sprechen – also ein Aufschub der Kreditrückzahlungen.

Neben den Raten muss der Kreditnehmer Zinsen für die Kreditsumme, die er in Anspruch genommen hat, zahlen. Diese werden bei den meisten Banken am Ende jedes Monats abgebucht – separat von den Kreditraten. Die Zinsen richten sich oft nach dem Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB) und können entsprechend schwanken. Wichtig: Die Bank ist verpflichtet, ihren Kunden jede Zinsanpassung mitzuteilen.  

Gut zu wissen: Ist der Rahmenkredit einmal eingerichtet, kann der Kunde immer wieder frei über die vereinbarte Summe verfügen. Hat er die gesamte Kreditsumme beansprucht, muss er wieder Geld auf das Konto des Rahmenkredits einzahlen. Der eingezahlte Betrag kann dann wieder in Anspruch genommen werden. Ähnlich wie eine Prepaid-Karte beim Handy. Es muss also kein neuer Kredit beantragt werden, wenn einen Monat nach der Waschmaschine auch noch die Spülmaschine kaputtgeht. Grundsätzlich hat jedoch die Bank immer das Recht, im Rahmen einer festgelegten Kündigungsfrist den Rahmenkredit wieder einzustellen.


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