Der Ratenkredit: Wenn aus großen Plänen Tatsachen werden sollen.

Wir erklären das gängigste Finanzierungsmodell für Immobilien, Autos und andere große Anschaffungen.


03.03.2017

Ob eigene Wohnung oder eigenes Auto: Manche Investitionen sind schlicht so groß, dass man sie nicht „mal eben“ aus der eigenen Tasche bezahlen kann. Damit Träume nicht nur Träume bleiben, wurde schon im 19. Jahrhundert der Ratenkredit entwickelt. Am Grundprinzip hat sich bis heute nichts geändert. Der Kunde leiht sich bei seiner Bank eine Summe X und zahlt diese in festen Raten plus Zinsen zurück. Was man im Detail zum Ratenkredit wissen sollte, lesen Sie in diesem Artikel.

Ratenkredit: Was zeichnet ihn aus?

Der Durchschnittsdeutsche verdient laut dem Statistischen Bundesland im Jahr 32.662 Euro brutto (Stand 2015). Dass im Jahr 2016 trotzdem rund 33,47 Millionen Menschen (Studie: IfD Allensbach, Stand 2017) hierzulande im Eigenheim oder in der eigenen Wohnung leben, dürften viele Deutsche dem Ratenkredit zu verdanken haben, den Sie sich bei der Bank Ihres Vertrauens geliehen haben. Ein Raten- oder auch Konsumentenkredit dient – wie der Name schon verrät – hauptsächlich als Darlehen für Konsumgüter wie Autos oder eine neue Küche. Die Bank vereinbart mit ihrem Kunden eine feste Laufzeit, feste monatliche Tilgungsraten und feste Zinsen.

Das geliehene Geld für das Auto oder die Eigentumswohnung bekommt der Kreditnehmer auf einmal ausgezahlt und auf sein gewünschtes Konto überwiesen. Das unterscheidet den Ratenkredit zum Beispiel vom Rahmenkredit, der eher für kleinere und spontanere Ausgaben gedacht ist und zu dem Sie hier einen eigenen Artikel lesen können.

Für welche Zwecke eignet sich der Ratenkredit?

Der Ratenkredit ist in erster Linie für größere und von langer Hand geplante Anschaffungen geeignet, zum Beispiel Autos, Wohnungen und Möbel. Immer häufiger wird er aber auch für kleinere Engpässe genutzt, z.B. um das Girokonto kurzfristig auszugleichen oder eine Fahrzeugreparatur zu finanzieren. Dabei gibt es zwei Formen dieses Kredites: Den zweckgebundenen und den zweckungebundenen Ratenkredit. Ein zweckgebundener Ratenkredit ist dann ratsam, wenn man genau weiß, was man sich mit dem Geld kaufen möchte – etwa ein neues Auto oder eine Immobilie. In solchen Fällen können Kunden in der Regel günstigere Konditionen erhalten. Wichtig: Die Bank möchte im Gegenzug einen Beweis dafür, dass der Kredit auch für den vereinbarten Zweck verwendet wird, und zugleich eine Sicherheit. Beispielsweise muss der Kunde beim Autokredit meist die Zulassungsbescheinigung Teil 2, früher auch Fahrzeugbrief genannt, bei seinem Kreditinstitut hinterlegen und dem Kreditinstitut das Fahrzeug als Sicherheit übereignen.

Bei einem zweckungebundenen Kredit ist der Kunde nicht verpflichtet, einen genauen Verwendungszweck zu benennen. Diese Variante lohnt sich meist dann, wenn der Kunde frei über den Betrag verfügen möchte. Hier kann man das Geld also beispielsweise für den Kauf unterschiedlicher Konsumgüter verwenden oder andere Verbindlichkeiten zusammenlegen, also „umschulden“. Was das bedeutet? Dazu ein Beispiel: Sie haben einen Kredit mit einer Restschuld von 10.000 Euro. Der effektive Jahreszins beträgt bei diesem laufenden Kredit beispielsweise acht Prozent. Ein anderes Kreditangebot hat nur einen effektiven Jahreszins von fünf Prozent. Nun besteht die Möglichkeit, diesen günstigeren Kredit über 10.000 Euro (also die zurückzuzahlende Kreditsumme) abzuschließen und mit diesem Geld den alten Kredit komplett zu bezahlen und vor Vertragsende zu kündigen. So ersparen Sie sich einen Teil der zusätzlichen Zinsen. Wichtig: Ob eine solche Umschuldung sinnvoll ist, muss individuell entschieden werden. Es ist möglich, dass die Bank eine Vorfälligkeitsentschädigung von Ihnen bei einer frühzeitigen Rückzahlung der Kreditsumme fordert, da ihr Zinserträge verloren gehen. Mehr dazu finden Sie im hinteren Teil des Artikels.

Wie beantrage ich den Kredit und was will die Bank von mir wissen?

Grundsätzlich gilt: Ein Antragsteller muss mindestens 18 Jahre alt sein und in Deutschland wohnen. Sonstige Voraussetzungen variieren von Bank zu Bank. Sind diese Grundvoraussetzungen gegeben, füllen Sie den Kreditantrag aus. Das kann man bei vielen Banken – wie auch bei der Volkswagen Bank – direkt in der Bankfiliale, aber auch online machen. Ein Teil davon ist die sogenannte Selbstauskunft. Darin legt der Antragssteller relevante Daten wie Name, Adresse, Beruf, Bankverbindung und Ein- und Ausgaben offen. Nicht zuletzt um Betrugsfälle zu verhindern, braucht die Bank Nachweise für die Angaben. Zum Beispiel Einkommensnachweise und eine Ausweiskopie als Legitimation.

Außerdem prüft der Kreditgeber die Bonität des Kunden. Das heißt, für wie sicher die Bank es einschätzt, dass der Kunde den Kredit zurückzahlen kann und ob er somit kreditwürdig ist. Dazu werden etwa bei der SCHUFA Informationen über Schulden und weitere Kredite eingeholt. Welche Daten die SCHUFA speichert, erfahren Sie in diesem Artikel. Natürlich muss auch die gewünschte Kredithöhe angegeben werden. Privatpersonen sollten diese nicht zu hoch ansetzen, damit sie sich die Raten auch leisten können und sich mit dem Kredit nicht überschulden. Nach diesem vereinfachten Modell können Sie ausrechnen, was für einen Ratenkredit Sie sich leisten können:

Angenommen, Sie verdienen 3.000 Euro netto. Davon gehen für alle fixen Kosten wie Miete, Versicherungen, sonstige Zahlungsverpflichtungen und Lebenshaltungskosten monatlich 2.000 Euro weg. Ziehen Sie noch einen Sicherheitspuffer von 100 Euro ab, bleiben Ihnen pro Monat 900 Euro zur freien Verfügung. Ein weiterer Kostenfaktor sind unter anderem Versicherungen oder Steuern, die nur jährlich oder vierteljährlich fällig werden. Bitte bedenken Sie auch diese Kosten, wenn Sie die für Sie mögliche Kreditrate berechnen möchten.

Wie läuft die Rückzahlung ab?

Wann die Rückzahlung beginnt, wird im Kreditvertrag vereinbart. Im Vertrag sind alle allgemeinen Kreditinformationen und die individuell vereinbarten Konditionen festgehalten. Die Rückzahlungsrate besteht aus der Tilgungsrate und den Zinsen. Diesen Betrag zieht die Bank in der Regel vom Girokonto des Kunden per Lastschrift-Verfahren ein. Wichtig: Die Zinsen fallen nur auf die verbleibende Kreditsumme an. Das bedeutet: Zahlt man den Kredit zurück, schrumpft die Kreditsumme, auf die die Zinsen berechnet werden.

Kann man den Ratenkredit auch früher zurückzahlen?

Wer unverhofft einen Geldsegen erhält, hat natürlich die Möglichkeit, seine Schulden vollständig oder teilweise früher als ursprünglich geplant zurückzuzahlen. Was jedoch bedacht werden muss: Weil der Bank hier Zinsen entgehen, verlangt sie in der Regel vom Kunden in dem Zuge eine Vorfälligkeitsentschädigung. Diese ist eine Art Sondergebühr, die für „Allgemein-Verbraucherdarlehensverträge“ gesetzlich auf maximal ein Prozent des Restbetrags festgelegt ist. Worum es sich bei dieser Art des Kredites handelt, erfahren Sie hier. Es gibt bei machen Kreditinstituten für Kreditnehmer jedoch auch die Möglichkeit, bereits beim Vertragsabschluss die Option einer Sondertilgung zu vereinbaren – also ohne Strafgebühren vorzeitig größere Geldbeträge zurückzuzahlen.

Das bedeutet: Egal, was in Ihrem Kreditvertrag vereinbart ist, sollten Sie mit Ihrem Bankberater ausrechnen, welche Rückzahlungsmöglichkeit die für Sie kostengünstigste ist, wenn Sie außerplanmäßig zu Geld kommen und Ihren Kredit früher als gedacht zurückzahlen. Sie müssen abwägen, ob Zinseinsparungen aufgrund einer vorzeitigen Kreditrückzahlung für Sie höher sind als mögliche Vorfälligkeitsentschädigungen.

Was tun mit dem Ratenkredit, wenn man in Geldnöte gerät?

Verliert der Kreditnehmer zum Beispiel seinen Arbeitsplatz oder kann aus anderen Gründen kurzfristig die Tilgungsraten nicht aufbringen, sollte er sofort seinen Bankberater kontaktieren. Gemeinsam schaut man, welche Lösungen es geben könnte. In solchen Situationen können zum Beispiel Ratenpausen – auch Stundung genannt – vereinbart werden. Vielleicht stellt auch die Verlängerung der Kreditlaufzeit eine Lösung dar. Auf diese Weise kann sich die Höhe monatlich fälligen Raten verringern, sodass der Kunde die Raten wieder zahlen kann. Dies sollte sich allerdings möglichst nur um eine Übergangslösung handeln, denn natürlich zahlt man bei einer längeren Laufzeit auch länger (und damit in Summe mehr) Zinsen.


Auch interessant:

Dein Kredit – Christoph Krachten bei „Eigentlich einfach“

Ratenzahlung, Zinsen, SCHUFA und Co. – Sie möchten einen Kredit aufnehmen? Was Sie darüber wissen sollten, erklären unser Experte Claudio und Youtuber Christoph Krachten.

Der Dispokredit – wenn das Geld kurzfristig knapp wird

Wir erklären, wie der Dispokredit im Rahmen des Girokontos funktioniert und wofür er geeignet ist.

Der Rahmenkredit: Die Geldreserve für die kleinen Wünsche im Alltag.

Reparaturen oder Spontankäufe stemmen, ohne mit dem Girokonto ins Minus zu gehen. Der Rahmenkredit
ist die Alternative zum Dispo. Wir erklären, wie das funktioniert.

Die SCHUFA-Auskunft: Was das Unternehmen wirklich über uns weiß.

Eine Institution, über die nur wenig bekannt ist – und doch ist sie wichtig in allen finanziellen Belangen: Wir klären auf, was es mit der SCHUFA auf sich hat.

Ihr Browser scheint veraltet zu sein!

Für eine problemlose Darstellung dieser Seite und eine Erhöhung der
Sicherheit Ihres Systems verwenden Sie bitte einen aktuellen Browser.