Die SCHUFA-Auskunft: Was das Unternehmen wirklich über uns weiß.

Viele Mythen ranken um die Institution, die über die Kreditwürdigkeit von Privatpersonen urteilt: Fragen und Antworten im Überblick.


23.02.2017

Egal, ob es um das Mieten einer Wohnung, den Abschluss eines Handy-Vertrags oder die Aufnahme eines Kredits geht: Die SCHUFA hat überall ein Wörtchen mitzureden – denn von ihrem Urteil hängt es ab, ob man als potenzieller Kunde als kreditwürdig eingeschätzt wird oder nicht. Doch was genau wird in der Datenbank der SCHUFA über Privatpersonen gespeichert? Wir beantworten die wichtigsten Fragen in diesem Artikel.

Was bedeutet die Abkürzung SCHUFA und welche Aufgabe hat diese Institution?

Spätestens, wenn Sie Ihren ersten Handy-Vertrag abschließen oder ein Auto finanzieren wollen, werden Sie mit der SCHUFA zu tun haben. Die bereits 1927 gegründete SCHUFA – die Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung – ist eine Institution, die Informationen speichert, um die Bonität beziehungsweise die Kreditwürdigkeit von Privatpersonen und Unternehmen zu bewerten. Nach eigenen Angaben hat die SCHUFA Daten von mehr als 66 Millionen Bundesbürgern gespeichert und arbeitet mit mehr als 9.000 Vertragspartnern (u.a. Banken, Sparkassen, Leasingunternehmen, Telekommunikationsunternehmen) zusammen. Durch einen permanenten Datenaustausch zwischen diesen Partnern und der SCHUFA entsteht ein großer Pool an Informationen, den wiederum die Unternehmen nutzen können, um sich ein Bild über die Kreditwürdigkeit eines potenziellen Kunden machen zu können.

Welche Daten hat die SCHUFA über mich gespeichert?

Neben den persönlichen Daten wie dem Namen, dem Geburtsdatum und der Anschrift besitzt die SCHUFA Informationen über Bankkonten, Kreditkarten, Leasing- und Mobilfunkverträge sowie Informationen über Kredite und Bürgschaften. Die SCHUFA weiß, bei welchen Banken Sie welche Art von Konten haben – aber kein Grund zur Sorge, sie weiß nicht, wie viel Geld auf den einzelnen Konten liegt. Und auch, wenn der Dispo überzogen wird, wird nicht sofort die SCHUFA informiert – zumindest solange weiterhin regelmäßige Zahlungen wie Gehalt oder Rente auf Ihr Konto eingehen. Die SCHUFA hat also keine Informationen über Ihr Vermögen. Auch über Ihr Einkommen, Ihren Beruf, den Familienstand, die Nationalität oder Ihr Kaufverhalten liegen der SCHUFA keine Informationen vor.

Das bedeutet: Die SCHUFA weiß zum Beispiel, dass Sie in einem Online-Versandhandel einkaufen, nicht aber, was Sie bestellt haben. Auf ihrer Internet-Seite meldet die SCHUFA, dass dem Unternehmen für rund 90 Prozent der gespeicherten Personen lediglich positive Informationen vorliegen. Eine „positive Information“ ist zum Beispiel, dass ein Kredit fristgemäß zurückgezahlt wurde. Andersherum gibt es auch „negative Information“. Das können zum Beispiel ein von der Bank gekündigter Kredit, Zahlungsausfälle oder Informationen aus einem öffentlichen Schuldnerverzeichnis sein. Zahlen Sie Rechnungen nicht rechtzeitig, dürfen Unternehmen nach einer zweiten Mahnung Ihren Zahlungsverzug bei der SCHUFA melden.

Wie lange werden meine Daten bei der SCHUFA gespeichert?

Aus datenschutzrechtlichen Gründen darf die SCHUFA Informationen nicht endlos speichern: Je nach Art des Eintrags gibt es unterschiedliche Fristen, nach denen die SCHUFA die Einträge löschen muss. So müssen zum Beispiel spätestens drei Jahre nach der Rückzahlung eines Kredites alle dazugehörigen Daten gelöscht werden. Kreditanfragen, beziehungsweise Anfrage für Kreditkonditionen müssen zwölf Monate nach der Anfrage gelöscht werden. Werden Giro- und Kreditkartenkonten gekündigt, muss die SCHUFA auch diese Daten löschen, nachdem sie darüber von der Bank in Kenntnis gesetzt wird. Auch Negativeinträge werden nach einer gewissen Zeit gelöscht. Informationen über unbezahlte Rechnungen zum Beispiel werden drei volle Kalenderjahre, nachdem Sie die Rechnung beglichen haben, gelöscht. Informationen über die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens werden über sechs Kalenderjahre hinweg gespeichert. Daten, die aus den Schuldnerverzeichnissen wieder entfernt werden, werden auf den Tag genau drei Jahre nach der Löschung auch bei der SCHUFA entfernt.

Wer darf eine SCHUFA-Auskunft einfordern?

Grundsätzlich darf natürlich jeder, mit dem Sie ein Vertragsverhältnis eingehen wollen, Informationen über Ihre Kreditwürdigkeit von Ihnen fordern. Sie müssen dann entscheiden, ob Sie das möchten, denn Ihr Einverständnis ist immer die Grundvoraussetzung zur Einholung einer SCHUFA-Auskunft.
Allerdings wird in den meisten Fällen wohl kein Vertrag zustande kommen, wenn Sie einer Auskunft nicht zustimmen. Heißt konkret: Verweigern Sie zum Beispiel einem Mobilfunkanbieter die Einsicht in Ihre SCHUFA-Daten, werden Sie keinen Handy Vertrag abschließen können.

Eingeholt werden kann die SCHUFA-Auskunft auf zwei Wegen:
Vertragspartner der Institution können nach Ihrer Einverständniserklärung selbstständig die Informationen bei der SCHUFA einholen. Das Unternehmen muss allerdings ein berechtigtes Interesse nachweisen können, um Ihre Daten einsehen zu dürfen. Was das genau bedeutet, können Sie hier nachlesen.
In allen anderen Fällen, wenn zum Beispiel ein potenzieller Vermieter eine Auskunft anfragt, müssen Sie selbstständig eine sogenannte Bonitätsauskunft bei der SCHUFA anfordern und diese dem möglichen Vertragspartner vorlegen. Was viele nicht wissen: Grundsätzlich haben Sie das Recht, einmal im Jahr eine kostenlose Auskunft über alle Informationen, die die SCHUFA über sie gespeichert hat, einzufordern. Das dafür benötigte Formular können Sie hier herunterladen. Darüber hinaus können Sie so oft Sie wollen eine sogenannte Bonitätsauskunft einfordern, die dann aber kostenpflichtig ist. Für 29,95 Euro (Stand: Januar 2017) können Sie diese online bestellen. Sie ist eine abgespeckte Version der Auflistung aller von der SCHUFA gespeicherten Daten, die nur die Informationen enthält, die zur Einschätzung der Zahlungsfähigkeit interessant sind.

Ein Tipp: Sie können problemlos Ihre kostenlose Eigenauskunft nutzen, wenn Sie um eine Bonitätsauskunft (zum Beispiel vom Vermieter) gebeten werden. Wichtig: Alle Angaben, die Ihren Vermieter zunächst nichts angehen (Konto- oder Kreditkartendaten), können Sie mit guten Gewissen schwärzen.

Welche Informationen bekommen die Vertragspartner?

Gehen wir nun davon aus, dass ein Vertragspartner berechtigt ist, eine Auskunft zu bekommen, gibt es zwei verschiedene Möglichkeiten:

a) Sparkassen, Banken, Kreditkarten- und Leasing-Gesellschaften haben das Recht, sowohl die positiven als auch die negativen Informationen über Sie einzusehen. Jedoch werden keine Daten wie Kontonummern oder Namen anderer Banken weitergeben.

b) Vertragspartner, die nicht in diese Kategorie fallen, zum Beispiel Telekommunikationsunternehmen, oder der Einzel- und Versandhandel, bekommen bei einer Anfrage nur die (potenziellen) negativen Informationen über Sie.
Wichtig: Bereits eine einzelne negative Information kann ausreichen, dass eine Bank Ihnen eine Kreditanfrage verweigert.

Was genau steht in meiner Eigenauskunft – und wie lese ich sie richtig?

Haben Sie das Formular mit dem Wunsch nach Eigenauskunft bei der SCHUFA eingereicht, wird Ihnen kurz darauf ein Brief von der Institution zugestellt werden, der aus drei Teilen besteht:

Die persönlichen Daten: Auf der ersten Seite wird Ihnen Ihre Kundennummer mitgeteilt, sowie ihre aktuelle Adresse, vorangegangene Adressen, Geburtsort und -name.

Kredithistorie und Score-Wert: Im zweiten Teil der Auskunft sind alle Einträge aufgeführt, die die SCHUFA durch Unternehmensanfragen und Vertragsabschlüssen über Sie gesammelt hat. Neben Informationen zu Kreditkarten und Konten werden auch so genannte Bonitäts- und Identitätsanfragen von Unternehmen aufgelistet, die diese vor Vertragsabschlüssen angefordert haben. Am Ende der Liste finden Sie den Score-Wert, der vierteljährlich neu berechnet wird. Was es damit auf sich hat, erfahren Sie im nächsten Kapitel.

Wahrscheinlichkeitswerte der letzten 12 Monate: Im letzten Teil der Unterlagen können Sie sehen, welche Unternehmen der SCHUFA im vergangenen Jahr Informationen über Sie übermittelt hat.

Was ist der Score-Wert?

In den vergangenen Jahren ist neben den positiven und negativen Meldungen besonders für Kreditinstitute ein weiteres, wichtiges Entscheidungskriterium hinzugekommen, wenn es darum geht, einen Kredit zu gewähren oder abzulehnen: der sogenannte Score-Wert. Dieser ist das Ergebnis eines hoch komplexen statistischen Rechenverfahrens, mit dem die SCHUFA die Daten zu einer Person analysiert und vergleicht. Das Ergebnis ist eine Wahrscheinlichkeit zwischen 0 und 100 Prozent, dass ein Kunde einen möglichen Kredit zurückzahlt. Da es sich bei diesem Wert jedoch um Schätzungen handelt, die aus Statistiken abgeleitet sind, ist diese Verfahren bei Verbraucherschützern nicht unumstritten. Wie genau der Wert berechnet wird, unterliegt dem Geschäftsgeheimnis der SCHUFA.

Wie kann ich die Daten in meiner SCHUFA-Auskunft „optimieren“?

Wie bereits erwähnt, ist die Ermittlung des Score-Wertes ein Geschäftsgeheimnis der SCHUFA. Dennoch geben Verbraucherportale wie finanztip.de, anwalt.de und auch die SCHUFA selbst Hinweise, wie Sie Ihre Auskunft optimieren und unnötige Fehlerquellen vermeiden können. Hier die wichtigsten Regeln zusammengefasst:

  1. Ungenutzte Girokonten kündigen: Die SCHUFA bewertet den Besitz von mehreren Girokonten als negativ. Nutzen Sie ein Konto also nicht mehr, dann kündigen Sie es.
  2. Viele Kreditkarten verschlechtern den SCHUFA-Score: Es scheint, als würden sich mehrere Kreditkarten negativ auf die Bewertung auswirken: Also – vermeiden Sie zu viele Kreditkarten.
  3. Girokontenwechsel werden negativ gewertet: Bleiben Sie bei einer Bank Ihres Vertrauens.
  4. Dispo-Kredit nicht überziehen: Eine Bank muss der SCHUFA nicht mitteilen, wie hoch der Dispo-Kredit ist, der Ihnen eingeräumt wird. Wenn Sie diesen jedoch erheblich und dauerhaft überziehen und dann den Forderungen der Bank nicht nachkommen, kann Ihr Konto unter Umständen sogar von der Bank gekündigt werden. Dies wird dann in Ihrer Auskunft auftauchen.
  5. Rechnungen immer pünktlich bezahlen: Bezahlen Sie eine Rechnung nicht pünktlich, bekommen Sie nicht gleich einen negativen SCHUFA-Eintrag. Jedoch ist dies nach einer zweiten schriftlichen Mahnung möglich – vermeiden Sie also einen Zahlungsverzug und richten für regelmäßige Kosten Daueraufträge und Lastschriftverfahren ein.

Was kann ich tun, wenn ich Fehler in meiner SCHUFA-Auskunft finde?

Negative SCHUFA-Einträge können Sie massiv in Ihrem Alltag einschränken. Da sich immer mal wieder Fehler in den Daten der SCHUFA einschleichen oder Löschungen nicht rechtzeitig vollzogen werden, ist es überaus wichtig, dass Sie regelmäßig Ihre Daten prüfen. Sollten Sie fehlerhafte Einträge finden, melden Sie diese dem Privatkunden ServiceCenter der SCHUFA. Die Kontaktmöglichkeit finden Sie hier. Wichtig hierbei: Unterlagen, die die Fehler dokumentieren, zum Beispiel ein Schreiben zu einer Vertragskündigung oder Quittungen können den Prozess beschleunigen. Und: Selbst, wenn nur Ihre Hausnummer oder eine andere Kleinigkeit falsch notiert ist, sollten Sie die Fehler beheben lassen – zu Ihrer eigenen Sicherheit.

Gut zu wissen: Was muss ich in Sachen SCHUFA beachten, wenn es um die Beantragung eines Kredits geht?

Eine besonders wichtige Rolle spielt die Auskunft über Ihre Bonität, wenn es darum geht, einen Kredit bei einer Bank zu beantragen. Wollen Sie dies tun, wird die angefragte Bank bei der SCHUFA eine sogenannte „Anfrage Kredit“ stellen – und diese Tatsache wird dort gespeichert. Vergleichen Sie nun mehrere Kreditangebote verschiedener Banken, werden diese sich alle bei der SCHUFA über Sie erkundigen. Das Problem dabei: Banken können nicht einsehen, ob im Anschluss an die Anfrage ein Kredit gewährt wurde – und ob sich der potenzielle Kunde einen möglichen weiteren Kredit „leisten“ kann. Die Konsequenz? Möglicherweise stufen die Banken Ihre Kreditwürdigkeit schlechter ein, wodurch sowohl der angebotene Zinssatz als auch die Kreditlaufzeit negativ beeinflusst werden können. Im Extremfall könnten Sie sogar als kreditunwürdig eingestuft werden.

Doch keine Sorge – Sie können durchaus Kreditangebote vergleichen, ohne dass es sich negativ auf Ihre Bonitätsauskunft auswirkt: Die SCHUFA hat die Problematik nämlich erkannt und für Banken die Möglichkeit geschaffen, lediglich eine „Anfrage für die Berechnung von Kreditkonditionen“ zu stellen. Diese Art der Auskunft wird von der SCHUFA nicht automatisch gespeichert und hat dementsprechend keine Auswirkung auf die Bewertung Ihrer Kreditwürdigkeit. Um auf Nummer sicher zu gehen, sollten Sie also bereits beim ersten Gespräch mit der Bank anmerken, dass nur eine „Anfrage Kreditkonditionen“ gestellt werden soll.


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